Die neue Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hat sich am Montag konstituiert und Wahlsiegerin Elif Eralp einstimmig zur Co-Fraktionsvorsitzenden gewählt. An ihrer Seite bleibt Tobias Schulze, der die Fraktion seit 2024 mitführt. Die Doppelspitze bestätigte Eralps Rolle als politische Zentralfigur der Partei nach dem Rekordergebnis vom Sonntag - obwohl sie zeitgleich als Verhandlungsführerin für eine mögliche rot-grün-rote Koalition und als Kandidatin für das Rote Rathaus im Rennen ist.

„Ich freue mich, mit Tobias Schulze gemeinsam die Verhandlungen und Gespräche zu führen, die jetzt notwendig sind, damit wir ein bezahlbares Berlin schaffen können“, sagte Eralp nach ihrer Wahl laut dem Newsblog des Tagesspiegels. Ihre bisherige Co-Vorsitzende Anne Helm gehört dem Landesparlament nicht mehr an; sie hatte kein Direktmandat gewonnen und war über die Landesliste nicht abgesichert.

Wir bilden mit dieser Fraktion die gesamte Stadt ab.
- Maximilian Schirmer, Landesvorsitzender der Berliner Linken, laut dpa

47 Sitze, 39 Neulinge

Die Fraktion ist mit 47 Mitgliedern doppelt so groß wie in der vergangenen Wahlperiode. Nur acht Abgeordnete haben nach Zählung des ND parlamentarische Vorerfahrung, fünf davon seit 2016, drei seit 2021 - der Rest sind Landtagsneulinge. Landesvorsitzender Maximilian Schirmer beschrieb die Runde bei der Vorstellung gegenüber der dpa als politische Abbildung Berlins. Co-Fraktionschef Schulze nannte die neue Zusammensetzung gegenüber ND „eine sehr spannende Fraktion mit vielen neuen Menschen, die ganz unterschiedliche berufliche Erfahrungen in die politische Arbeit tragen“. Zu den neuen Abgeordneten zählen Busfahrer, Lehrkräfte, Sozialarbeiter sowie Migrationsvertreter wie Pilar Caballero Alvarez und Betül Havva Yılmaz.

Sondierungsplan bis Ende der Woche

Parallel treibt die Linke die Regierungsbildung voran. SPD und Grüne sind zu Vorgesprächen in dieser Woche eingeladen, ein Berliner Landesparteitag soll am Freitag formal grünes Licht für förmliche Sondierungen geben. Erst danach können sie in der Folgewoche starten. Käme eine Koalition mit SPD und Grünen zustande und würde Eralp ins Rote Rathaus einziehen, müsste sie den Fraktionsvorsitz zeitnah wieder abgeben. Schulze bliebe dann als bekannter Innen- und Verfassungspolitiker der operative Anker der Fraktion im Parlament.