Zehn Tage nach dem Berliner Wahlsieg der Linken steht Spitzenkandidatin Elif Eralp mit einer Mitgliedschaft im Rückblick da, die der Verfassungsschutz als linksextrem einstuft. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete am Dienstagabend, dass Eralp jahrelang Mitglied der Roten Hilfe war. Die Partei bestätigte den Vorgang am Mittwochmorgen - wenige Stunden vor Beginn der ersten Dreier-Runde mit SPD und Grünen im Roten Rathaus.
Landesgeschäftsführer Björn Tielebein teilte mit, Eralp sei dem Verein während ihres Jurastudiums in Hamburg beigetreten und über Jahre „passives Mitglied" gewesen. Im Jahr 2025, also vor ihrer Nominierung zur Spitzenkandidatin, sei sie „wegen teilweise abweichender politischer Ansichten" ausgetreten. Transparent habe sie das Engagement stets gemacht: Im Handbuch des Berliner Abgeordnetenhauses tauchte die Rote Hilfe in den Ausgaben 2022 und 2023 unter ihren Mitgliedschaften auf, in der Fassung vom Oktober 2025 nicht mehr.
Der Verfassungsschutz beobachtet den 1975 gegründeten Verein seit 2012 und bezeichnet ihn im Berliner Verfassungsschutzbericht 2025 als „mit Abstand größte linksextremistische Organisation" der Hauptstadt. Die Rote Hilfe zahlt nach Angaben der Behörde Anwalts- und Prozesskosten für Beschuldigte aus dem linken Spektrum und soll in Einzelfällen auch Geld für die inzwischen festgenommene frühere RAF-Terroristin Daniela Klette gesammelt haben. Dem Verein werden bundesweit rund 19.800 Mitglieder zugerechnet, mehr als doppelt so viele wie 2017.
Die kommenden Wochen werden kein Spaziergang, das wird ein steiniger Weg.
Für die Sondierung am Mittwoch bleibt die Enthüllung dennoch ohne Vetowirkung. SPD-Landeschef Steffen Krach sagte dem Berliner Kurier, die Mitgliedschaft stehe nicht auf der Tagesordnung der ersten Runde, Thema sei stattdessen der Umgang mit Antisemitismus in der Linken. Fraktionschef Werner Graf von den Grünen zeigte sich am Dienstag ähnlich zurückhaltend. Die CDU des abgewählten Regierenden Kai Wegner nahm die Enthüllung dagegen zum Anlass, SPD und Grüne öffentlich vor einer Koalition mit Eralp zu warnen.
Eralp selbst, 1981 in München geboren, trat am Mittwochvormittag ohne eigene Stellungnahme vor die Kameras am Roten Rathaus. Nach Angaben der Linken führt sie die Sondierungsrunde gemeinsam mit Landeschefin Franziska Brychcy an. Die Partei hatte am 20. September 25,7 Prozent und 47 der 158 Sitze geholt und ist damit erstmals stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus. Für Eralp wäre das Amt der Regierenden Bürgermeisterin die erste Linken-Führung Berlins seit der Wiedervereinigung.
Dass die Debatte um die Rote Hilfe die Verhandlungen begleiten wird, gilt in der Berliner Linken dennoch als sicher. Die SPD-Fraktion will laut Krach klären, wie die künftige Koalition Angriffe auf Polizei und Justiz bewertet. Eine formale Koalitionsverhandlung ist für den Mittwoch nicht angesetzt - die Runde im Roten Rathaus ist offiziell noch Vorgespräch.