Die FDP zieht mit einer Doppelspitze in ihren Bundesparteitag Ende Mai. Der frühere Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki soll künftiger Parteivorsitzender werden, der nordrhein-westfälische Landeschef Henning Höne sein Stellvertreter. Auf diese Konstellation einigten sich die beiden Konkurrenten am Freitag, wie t-online und der Handelsblatt-Bericht aus dem Parteivorstand übereinstimmend meldeten. Kubicki, 74, war zuletzt eines der wenigen prominenten Gesichter der Liberalen, Höne, 39, hatte sich am vergangenen Wochenende mit 84,5 Prozent als Landesvorsitzender in NRW bestätigen lassen.
„Wie schon 2013 wollen wir unsere Kräfte bündeln. Damals hieß das Team Lindner-Kubicki, jetzt heißt es Kubicki-Höne“, sagte Kubicki nach der Einigung. Auf der Plattform X ergänzte er: „Henning und ich führen die Partei in den kommenden zwölf Monaten im Team.“ Höne sprach von einem Wettbewerb, der die Partei vorangebracht habe - „als Gesamtpartei, aber auch konkret in Nordrhein-Westfalen“. Christian Lindner, im Februar 2025 als Vorsitzender zurückgetreten, will dem Parteitag am 30. und 31. Mai im Berliner Estrel als Gast beiwohnen.
Die Einigung markiert das vorläufige Ende eines monatelangen Machtkampfs, der nach dem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde im Februar 2025 ausgebrochen war. Christian Dürr hatte den Vorsitz im April niedergelegt, nachdem die Liberalen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit 4,4 beziehungsweise 2,1 Prozent außerparlamentarisch gelandet waren. Aktuell sind die Freien Demokraten nur noch in sechs der 16 Landesparlamente vertreten.
Zunächst schwebt mir vor, die FDP nach einem Jahr bitterböser Bedeutungslosigkeit wieder in die Nähe von fünf Prozent zu heben.
Zwischen Lindner-Erbe und Generationswechsel
Kubickis erste Marke ist defensiv gesetzt: zurück in die Nähe der Fünf-Prozent-Hürde. „Der Kubicki-Effekt beginnt bei sechs Prozent“, fügte er gegenüber der Welt am Sonntag hinzu - eine Formulierung, die in der Partei nicht überall gut ankommt. Die Unzufriedenheit mit der schwarz-roten Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz sei „historisch“, sagte Kubicki, die FDP müsse wieder „als wählbare Alternative wahrgenommen“ werden. Inhaltlich setzt er auf Steuersenkungen und einen schlanken Staat - klassische FDP-Positionen, die unter Lindner zuletzt an Wirkung verloren hatten.
Höne soll den Generationswechsel verkörpern, den große Teile der Basis seit der Bundestagswahl einfordern. Der Münsterländer hatte in den vergangenen Wochen mit Vorstößen wie der Lockerung des allgemeinen Kündigungsschutzes für Betriebe unter 100 Mitarbeitern für Debatten gesorgt. Sein Landesverband stellt mit rund 16.500 Mitgliedern etwa ein Viertel der Bundesdelegierten - eine Hausmacht, die Kubicki im Bundesvorstand brauchen wird.
Offen ist, wie stabil das Duo trägt. Kubicki und Höne hatten sich im Vorfeld mehrfach öffentlich aneinander gerieben, unter anderem im Umgang mit der AfD: Höne plädierte für offene Debatten, Kubicki für klare Abgrenzung. Auf dem Bundesparteitag in zwei Wochen müssen beide nun gemeinsam vor die rund 660 Delegierten treten - mit einer Partei, die in der Bundestagswahl im Herbst 2025 erstmals seit 2013 wieder außerparlamentarisch geblieben war und die nächsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Bayern vor sich hat.