Die FDP hat am Sonntag in Berlin ihren Bundesvorstand komplettiert. Die rund 660 Delegierten wählten im Estrel-Hotel Henning Höne, Svenja Hahn und Linda Teuteberg zu stellvertretenden Vorsitzenden des neuen Parteichefs Wolfgang Kubicki. Höne erhielt nach Angaben der Partei 71,0 Prozent, Hahn 71,5 Prozent, Teuteberg 66,4 Prozent der Stimmen.

Für Teuteberg ist es die Rückkehr auf die Bundesbühne nach knapp fünf Jahren ohne Spitzenamt. Die Brandenburger Rechtsanwältin war von April 2019 bis September 2020 unter Christian Lindner Generalsekretärin der FDP, danach bis 2021 noch Landeschefin in Brandenburg. Mit dem Verlust des Bundestagsmandats schied sie im Januar 2025 aus dem Parlament aus, in dem sie seit 2017 saß. „Die Freiheit ist unter Verdacht geraten“, sagte sie nach Angaben der Partei in ihrer Bewerbungsrede und warb für ein klassisches Verständnis von Freiheit als Abwesenheit von Bevormundung.

Unsere Unterschiede sind nicht die Gegner. Die Gegner sind die Feinde der Freiheit.
- Henning Höne, Bewerbungsrede in Berlin

Hahn, seit 2019 im Europäischen Parlament und seit Oktober 2024 Präsidentin des liberalen Dachverbands ALDE, war bereits 2025 erstmals zur Vize gewählt worden und wurde nun bestätigt. Sie richtete den Blick nach außen: Angesichts globaler Machtverschiebungen müssten Liberale „wieder den Anspruch entwickeln, diese Veränderungen aktiv zu gestalten“, zitiert die Partei die Hamburger Europapolitikerin. Hahn gilt als Vertreterin des wirtschaftsliberalen Flügels und ist wirtschaftspolitische Sprecherin der FDP-Delegation in Brüssel.

Henning Höne führt seit Januar 2023 den nordrhein-westfälischen Landesverband, einen der wenigen, in denen die FDP nach dem Verlust des Bundestagsmandats personell und organisatorisch noch stabil aufgestellt ist. Zwei Wochen vor dem Parteitag hatte er seine Kandidatur für den Bundesvorsitz zugunsten Kubickis zurückgezogen und sich auf den Vize-Posten verlegt. Er warb in seiner Rede für inneren Zusammenhalt nach dem Strack-Zimmermann-Duell vom Vortag.

Schwache Werte, voller Vorstand

Mit den drei Vizes komplettieren die Liberalen einen Vorstand, der nach dem Scheitern an der Fünfprozenthürde im Januar 2025 die Partei wieder erkennbar machen soll. Die Wahlergebnisse blieben jedoch hinter dem zurück, was FDP-Stellvertreter in besseren Zeiten erreichten. Kubicki selbst hatte sich am Samstag in einer Kampfabstimmung mit 59,3 Prozent gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann durchgesetzt, der designierte Generalsekretär Martin Hagen erhielt am Abend nur 58,8 Prozent. Im Anschluss an die Vize-Wahlen berieten die Delegierten den Leitantrag „Liberaler Neustart unseres Landes“, der unter anderem ein Vier-Stufen-Steuermodell und eine Rückkehr zur Kernenergie vorsieht.

Mit Hahn als Brücke zur europäischen Schwesternfamilie, Höne als Verbindung in die nordrhein-westfälische Regierungsverantwortung und Teuteberg als Stimme aus den ostdeutschen Landesverbänden will der neue Vorstand inhaltliche und regionale Bandbreite signalisieren. Der nächste Test folgt im Herbst: In Sachsen-Anhalt und Berlin stehen Landtagswahlen an, bei denen die FDP zuletzt jeweils unter fünf Prozent abrutschte.