Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Gesetzentwurf zur Frühstart-Rente beschlossen. Der Staat zahlt künftig zehn Euro pro Monat in ein Kapitaldepot für jedes Kind - beginnend mit dem sechsten Geburtstag und laufend bis zur Volljährigkeit. Erste Zielgruppe sind Kinder, die 2020 geboren wurden; jeder folgende Sechsjährigen-Jahrgang rückt automatisch nach.
Federführend ist Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), der den Entwurf am Vormittag im Kabinett vorlegte. „Wir wollen, dass alle besser und früher für das Alter vorsorgen können“, sagte Klingbeil laut Rhein-Neckar-Zeitung nach der Sitzung. Das Depot solle Startkapital sein, das bislang zu stark vom Elternhaus abhänge.
Nach Berechnungen des Finanzministeriums entstehen aus den staatlichen Einzahlungen bis zur Volljährigkeit rund 2.200 Euro Depotwert. Ohne weitere Beiträge kann daraus bis zum Renteneintritt ein Vermögen von etwa 53.000 Euro werden, so t-online. Zahlen Eltern selbst zehn Euro monatlich obendrauf, kommen bis zum Renteneintritt rund 107.000 Euro zusammen, bei 50 Euro Eigenanteil rund 320.000 Euro. Die Bundesregierung rechnet zunächst mit 198 Millionen Euro Haushaltsbelastung pro Jahr, ab 2030 mit rund 411 Millionen Euro.
Die Auszahlung soll automatisch erfolgen: Eltern können ein individuelles Depot bei einem zertifizierten Anbieter eröffnen und dort bis zu 6.840 Euro jährlich zusätzlich einzahlen. Wer nichts unternimmt, für dessen Kind sammelt der Bund die zehn Euro monatlich in einem staatlichen Sondertopf pro Jahrgang. Mit der Volljährigkeit wandert das Guthaben in ein privates Altersvorsorgeprodukt, das das Kabinett im Rahmen einer breiteren Reform der Riester-Nachfolge parallel vorbereitet.
Wir wollen, dass alle besser und früher für das Alter vorsorgen können.
Streit um die Aktienbindung
Die politische Kritik entzündet sich weniger an der Höhe als am Konstruktionsprinzip. „Die Frühstartrente ist nichts anderes als Symbolpolitik, mit der die Bundesregierung schon die Jüngsten in der Gesellschaft an den Kapitalmarkt binden will“, sagte die rentenpolitische Sprecherin der Linken, Sarah Vollath, der t-online. IG Metall bezeichnete den Betrag als „nur einen kleinen Köder, um Familien in die Arme von Fondsanbietern zu treiben“.
Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) hatte im Vorfeld gewarnt, das Modell sei „risikobehaftet“ und drohe wie einst die Riester-Rente vor allem Versicherungen und Fondsanbietern zu nutzen. Der Sozialverband VdK und die Arbeitgeberverbände fürchten zudem, dass die Debatte höhere Beitragssätze für die gesetzliche Rentenversicherung überlagert.
In der Union verteidigt CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann den Ansatz genau umgekehrt: „Jungen Menschen kommt dadurch die Kraft des Kapitalmarkts und der Zinseszinseffekt von klein auf zugute.“ Nach dem Kabinettsbeschluss muss der Entwurf nun durch Bundestag und Bundesrat. Erklärter Zielstart ist rückwirkend der 1. Januar 2026.