Die AfD hat einen neuen Bundesschatzmeister. Der Brandenburger Bundestagsabgeordnete Hannes Gnauck setzte sich am Samstagabend auf dem Bundesparteitag in Erfurt gegen den bisherigen Amtsinhaber Carsten Hütter durch. Erst der dritte Wahlgang brachte die Entscheidung: 51,0 Prozent für Gnauck, 44,8 Prozent für Hütter. Damit übernimmt der frühere Vorsitzende der Jungen Alternative die Parteikasse mit einem Kontostand von rund 14 Millionen Euro.

Bereits die ersten beiden Wahlgänge verliefen dramatisch knapp. Im ersten Durchgang lag Hütter mit 49,6 Prozent nur knapp vor Gnauck (46,0 Prozent), ohne dass einer der beiden die erforderliche absolute Mehrheit erreichte. Im zweiten Wahlgang trennte die Kandidaten laut news.de nur eine einzige Delegiertenstimme, beide bewegten sich knapp über 48 Prozent. Erst im dritten Anlauf gelang Gnauck der Durchbruch.

Vor der Kampfabstimmung hatten beide Bewerber Gelegenheit für eine kurze Bewerbungsrede. Hütter, der die Parteikasse seit 2020 führt, verwies auf seine Erfahrung und den aktuellen Kontostand von rund 14 Millionen Euro. Gnauck warb mit einer knappen Formel, die Nau.ch dokumentiert: „Ich bin gelernter Kaufmann, ich kann und ich will führen.“ Der 34-Jährige gilt als eng verbunden mit dem rechten Flügel um Björn Höcke.

Vom MAD-Warnfall zur Parteikasse

Gnauck, geboren 1991 in Frankfurt (Oder), war von 2014 bis 2021 Zeitsoldat der Bundeswehr. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) stufte den Oberfeldwebel 2021 auf die höchste Warnstufe „rot“ ein - wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue. Nach Recherchen des Aktionsbündnisses Brandenburg durfte er seine Kaserne nur begleitet betreten, das Tragen der Uniform war ihm untersagt. Der Brandenburger Verfassungsschutz führt Gnauck als extremistisch und attestiert ihm eine ablehnende Haltung gegenüber demokratischen Prozessen und dem Rechtsstaat.

Seit 2021 sitzt Gnauck im Bundestag, seit Februar 2025 mit einem Direktmandat für den Wahlkreis Uckermark-Barnim I. Er ist verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion; Abgeordnete anderer Fraktionen forderten wiederholt seinen Ausschluss aus dem Verteidigungsausschuss. Bis zur Selbstauflösung der Jungen Alternative im Frühjahr 2025 war Gnauck deren letzter Bundesvorsitzender. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte die Nachwuchsorganisation zuvor als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Signal an den Höcke-Flügel

Der Schatzmeisterwechsel reiht sich in eine Serie personeller Verschiebungen, die den Einfluss des Höcke-Flügels sichtbar machen. Bereits am Nachmittag hatten die Delegierten mit Sven Tritschler (50,7 Prozent) und Stefan Möller (76,5 Prozent) zwei Politiker in die Stellvertreterrunde gewählt, die dem Flügel um den Thüringer Landeschef zugerechnet werden. Der bisherige Stellvertreter Kay Gottschalk verlor sein Amt an Tritschler. Zusammen mit Gnauck an der Kasse zeigt sich ein Bundesvorstand, in dem die Strömung um Co-Chef Tino Chrupalla weiter an Boden verliert.

Ich bin gelernter Kaufmann, ich kann und ich will führen.
- Hannes Gnauck, Bewerbungsrede in Erfurt

Ob Gnauck das Amt über die reine Kassenführung hinaus prägen wird, blieb am Wochenende offen. Der Parteitag wurde am Samstagabend gegen 19 Uhr unterbrochen; am Sonntag stehen laut Programm Satzungsfragen und die Wahl von Ersatzrichtern für das parteiinterne Bundesschiedsgericht auf der Tagesordnung.