Hamburg bewirbt sich nicht um die Olympischen Spiele. Im Referendum am Sonntag stimmten 54,9 Prozent der Teilnehmenden mit Nein, 45,1 Prozent mit Ja. Das vorläufige Endergebnis nennt 357.911 Nein- und 293.819 Ja-Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 49,5 Prozent, wie das Statistikamt Nord am Abend mitteilte. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) informierte daraufhin DOSB-Präsident Thomas Weikert und IOC-Mitglied Michael Mronz noch am Wahlabend, dass die Hansestadt ihre Kandidatur zurückzieht.

Damit fällt Hamburg aus dem Rennen um die deutsche Olympia-Bewerbung für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 heraus. „Viele Bürgerinnen und Bürger, die sich auf die Spiele gefreut haben, sind über das Ergebnis des Referendums enttäuscht. Auch ich bedaure das Votum sehr“, erklärte Tschentscher gegenüber der Sportschau. Der Senat hatte rund 18 Millionen Euro öffentlicher Mittel in die Konzeptentwicklung und Kampagne gesteckt, unterstützt von Werbegesichtern wie Udo Lindenberg und Alexander Zverev. Wie wir am Morgen berichteten, lag die Briefwahlquote schon vor Schließung der Wahllokale bei 42,6 Prozent.

Die Freude ist groß, aber wir sehen gleichzeitig die Zerrissenheit einer Stadt. Bei den Finanzen war das Bild sehr, sehr schief. Das war sicherlich ein ganz wesentlicher Grund.
- Eckart Maudrich, NOlympia-Initiative, gegenüber der Sportschau

Alle sieben Bezirke stimmen Nein

Das Nein war flächendeckend. In keinem der sieben Hamburger Bezirke gab es eine Mehrheit für die Bewerbung. Den höchsten Ablehnungsanteil verzeichnete Harburg mit 58,6 Prozent Nein-Stimmen bei 42.583 Abstimmenden, wie die Auswertung von wahlen-hamburg.de zeigt. Gegen Tschentschers Plan entschieden sich damit nicht nur die Stadtteile, in denen die NOlympia-Initiative besonders aktiv geworben hatte, sondern auch die bürgerlich geprägten Hochburgen im Norden und Westen. Im Vergleich zum gescheiterten Referendum „Feuer und Flamme“ von 2015, das mit 51,6 zu 48,4 Prozent verloren ging, fiel die Ablehnung diesmal deutlich klarer aus.

Eckart Maudrich, ehemaliger Gewerkschafter und einer der Wortführer der NOlympia-Initiative, sah die Finanzplanung des Senats als entscheidenden Faktor. Die Initiative hatte in den vergangenen Wochen wiederholt auf nicht eingerechnete Sicherheitskosten und ein aus ihrer Sicht zu optimistisches Einnahmeszenario von 4,9 Milliarden Euro hingewiesen. Die Linke, einzige im Rathaus vertretene Partei auf der Nein-Seite, hatte mit Plakaten von „mindestens sechs Milliarden Euro Miese“ geworben. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz und die Polizeigewerkschaft hatten gegen die Bewerbung mobilisiert.

DOSB-Kür ohne Hamburg

Für den Deutschen Olympischen Sportbund ist das Hamburger Nein der erste Dämpfer in einer langen Serie. Vorstandsvorsitzender Otto Fricke nannte das Ergebnis im NDR „ein bisschen frustrierend“ nach 19 vorherigen erfolgreichen Referenden, das gehöre aber „zum Teil unseres transparenten Verfahrens“. Am 26. September entscheidet der DOSB auf seiner Mitgliederversammlung, mit welcher Stadt Deutschland antritt. Im Rennen bleiben München, das im Oktober 2025 mit 66,4 Prozent für eine eigene Bewerbung gestimmt hatte, die Rhein-Ruhr-Region und Berlin. Eine Vorentscheidung des IOC wird nicht vor 2027 erwartet.

Tschentscher kündigte an, die im Bewerbungskonzept geplanten Vorhaben zu Wohnungsbau, Sportstätten und Verkehrsanbindung auch ohne Olympia weiterzuverfolgen. SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf sagte, es wäre „bedauerlich, wenn wir nach München schauen müssten, wie gut Olympische Spiele dort funktionieren“. Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg, räumte am Abend gegenüber dem NDR ein: „Nein, das werden wir vermutlich nicht hinkriegen.“ Die Bewerbung „Hamburg 2036“ ist damit nach knapp neun Monaten Konzeptarbeit beendet.