Hans Maier ist tot. Der CSU-Politiker, frühere bayerische Kultusminister und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) starb am Montagabend in einer Münchner Klinik, wie die Familie am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur mitteilte. Maier wurde 94 Jahre alt, am 18. Juni hätte er seinen 95. Geburtstag gefeiert. Erst im März war seine Ehefrau Adelheid gestorben, mit der er über 60 Jahre verheiratet war.

Seine Tochter Johanna Stegmaier sagte, der Tod der Mutter habe den Vater schwer getroffen. Die beiden seien „extrem eng verbunden“ gewesen, der Verlust habe „ihm schwer zugesetzt“. Maier hinterlässt sechs Töchter.

Ministerpräsident Markus Söder würdigte Maier als „einen großen Gelehrten und Staatsmann“ und „das intellektuelle Gewissen des bürgerlichen Bayern seiner Zeit“. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp nannte ihn „einen großen Analytiker, einen herausragenden Wissenschaftler und einen politischen Gestalter, in dessen Leben Glaube und politisches Handeln untrennbar verbunden waren“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hob Maiers „beeindruckende Intellektualität, seinen feinen Humor und seinen politischen Willen“ hervor.

Sechzehn Jahre Kultusminister

Geboren wurde Maier am 18. Juni 1931 in Freiburg im Breisgau. Nach dem Studium der Geschichte, Romanistik, Germanistik und Philosophie habilitierte er sich und übernahm 1962 den Lehrstuhl für Politische Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 1970 bis 1986 amtierte er als bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus - länger als jeder andere Amtsinhaber in der Nachkriegszeit. Von 1978 bis 1987 saß er für den Stimmkreis Günzburg im Landtag.

Unter seiner Verantwortung stieg die Zahl der staatlichen Gymnasien und Realschulen um jeweils rund 30 Prozent, der Anteil junger Frauen mit Abitur kletterte von etwa 34 Prozent im Jahr 1970 auf knapp 50 Prozent im Jahr 1986. 1971 wurde unter seiner Ägide die Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen gegründet, ein Jahr später startete Bayern ein Programm zur Beschulung fremdsprachiger Kinder, das vor allem Flüchtlings- und Migrantenkindern den Spracherwerb erleichterte. 1986 trat er zurück, aus Protest gegen die Aufspaltung des Kultusministeriums in zwei Häuser. „Ich konnte und wollte mich nicht teilen“, begründete er den Schritt damals.

Mein Ort war immer die radikale Mitte.
- Hans Maier in seinen Memoiren

Streiten mit Strauß und Söder

Parallel zum Münchner Kabinett präsidierte Maier von 1976 bis 1988 das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Er stritt mit Franz Josef Strauß ebenso wie mit Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. Auch Söders Kreuz-Erlass von 2018, der das christliche Symbol in bayerischen Behörden vorschrieb, kritisierte er offen - obwohl er selbst als Minister für das Schulkreuz eingetreten war. 1999 gehörte er zu den Mitgründern des Beratungsvereins Donum Vitae, der katholische Schwangerschaftskonfliktberatung gegen den Widerstand der Bischöfe weiterführte.

Nach dem Rückzug aus der Politik kehrte Maier 1988 an die LMU zurück und übernahm den Guardini-Lehrstuhl für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie. Bis zu seiner Emeritierung 1999 lehrte er dort. Über 1.000 Schriften veröffentlichte er, darunter die Erinnerungen „Böse Jahre, gute Jahre“ (2011). 2021 übergab er mehr als 1.700 Bände seiner Privatbibliothek der Katholischen Akademie in Bayern. Bis zuletzt schaltete er sich in Debatten ein, von der Corona-Politik bis zur Flüchtlingsfrage.