Hans Maier ist tot. Bayerns früherer Kultusminister und langjähriger Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken starb am Montagabend in einem Münchner Krankenhaus, wie die Familie über die bayerische Staatsregierung mitteilen ließ. Er wurde 94 Jahre alt - keine zwei Wochen vor seinem 95. Geburtstag, den er am 18. Juni gefeiert hätte.

Maier prägte das politische Bayern wie wenige seiner Generation. Von 1970 bis 1986 stand er dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus vor, sechzehn Jahre lang - länger als jeder andere bayerische Kultusminister. Er gab den Posten auf, als Franz Josef Strauß seine Zuständigkeiten beschnitt; die Rücktrittsentscheidung gilt bis heute als Beispiel für politische Standfestigkeit innerhalb der CSU. Parallel dazu war Maier von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), eine Doppelrolle aus Spitzenpolitik und Laienkatholizismus, die in der Bundesrepublik beispiellos blieb.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder reagierte am Dienstag auf Instagram. „Mit Hans Maier verliert Bayern einen großen Gelehrten und Staatsmann“, schrieb der CSU-Chef. „Er war gewissermaßen das intellektuelle Gewissen des bürgerlichen Bayern seiner Zeit.“ Maier habe sich „aus der Wissenschaft heraus fest in der Politik etabliert“ und die Bildungslandschaft jahrzehntelang geprägt, so Söder weiter.

Mit Professor Maier verlässt uns eine katholische Stimme, die unüberhörbar war.
- Bischof Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Auch das Zentralkomitee selbst würdigte seinen früheren Präsidenten als „das Gesicht des politischen Katholizismus“ und attestierte ihm „universelle Gelehrtheit mit politischer Gestaltungskraft“, wie katholisch.de berichtete. Über tausend Veröffentlichungen umfasst Maiers Werk, darunter Studien zu totalitären Systemen, Revolutionsideologien und politischer Religion. Den Guardini-Lehrstuhl für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München hatte er von 1988 bis 1999 inne, nach dem Ende seiner Ministerzeit.

Donum Vitae und der Streit mit Rom

Maier scheute die Konfrontation nicht, auch nicht mit der eigenen Kirche. Als Johannes Paul II. 1999 verfügte, die katholische Kirche solle aus der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung aussteigen, gehörte Maier zu den Mitbegründern des Vereins Donum Vitae, der die Beratung in eigener Trägerschaft weiterführte. Der Schritt brachte ihm Rüffel aus Rom ein und festigte zugleich sein Profil als kritischer Laienkatholik. CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek würdigte ihn am Dienstag als einen der „letzten großen Denker und Staatsdiener seiner Generation“.

Drei Monate vor seinem Tod war Maiers Frau Adelheid gestorben, mit der er über sechzig Jahre verheiratet war und sechs Töchter hatte. „Das hat ihm schwer zugesetzt, die waren extrem eng verbunden“, sagte Tochter Johanna Stegmaier der Abendzeitung München. Maier, in Freiburg geboren und seit der Jugend Organist in seiner Heimatpfarrei, wirkte bis zuletzt publizistisch; sein Memoirenband „Böse Jahre, gute Jahre“ war 2011 erschienen.