Die AfD baut ihren Umfragevorsprung vor der Union weiter aus. Im „Sonntagstrend“ des Meinungsforschungsinstituts Insa, den die Bild am Sonntag am 5. Juli veröffentlichte, kommt die Partei um Alice Weidel und Tino Chrupalla erneut auf 29 Prozent. Die CDU/CSU verliert einen Prozentpunkt und liegt nur noch bei 21 Prozent. Der Abstand zwischen den beiden Wahlsiegern der Bundestagswahl 2025 wächst damit auf acht Punkte, wie t-online und Tagesspiegel berichten.
Für die übrigen Parteien liest sich die Umfrage weniger dramatisch, im Detail aber aufschlussreich. Die SPD legt einen Punkt auf 13 Prozent zu, gleichauf liegen die Grünen mit 13 Prozent. Die Linke bleibt bei zehn Prozent, das Bündnis Sahra Wagenknecht klettert um einen Punkt auf 4 Prozent - genauso viel wie die FDP. Auf sonstige Parteien entfallen sechs Prozent, ein Punkt weniger als in der Vorwoche. Insa befragte für die Erhebung zwischen dem 29. Juni und dem 3. Juli 1.205 Personen; die maximale Fehlertoleranz beziffert das Institut mit plus/minus 3,1 Prozentpunkten.
Merz unter Druck
Die Zahlen sind auch ein Kommentar zum politischen Wochenende. Die schwarz-rote Koalition hatte am Mittwoch ein Reformpaket präsentiert, das unter anderem strengere Regeln für Krankschreibungen vorsieht - und dafür binnen weniger Tage massive Kritik von Ärzteverbänden, Grünen und Teilen der SPD einstecken musste. Parallel hielt die AfD in Erfurt ihren Bundesparteitag ab. Weidel wurde am Freitag mit 81,3 Prozent als Bundessprecherin bestätigt, Chrupalla kam auf 70,05 Prozent. Vor der Messehalle demonstrierten nach Angaben der Polizei Tausende gegen den Kongress, wie der Tagesspiegel dokumentierte.
Insa fragte zusätzlich zwei umstrittene Themen ab. Bei der Frage nach der sogenannten Brandmauer, mit der Union und SPD Koalitionen mit der AfD ausschließen, halten 42 Prozent der Befragten die Blockade für richtig, 39 Prozent für falsch. Beim möglichen AfD-Verbot fällt das Bild ähnlich uneinheitlich aus: 40 Prozent sprachen sich für ein Verbotsverfahren aus, 45 Prozent dagegen. Beide Werte liegen innerhalb der Fehlermarge - der politische Grundkonsens der demokratischen Parteien wird von der Öffentlichkeit nicht mehr geschlossen mitgetragen.
Ein Muster seit Mai
Für Bundeskanzler Friedrich Merz vertiefen die Werte ein bekanntes Muster. Seit dem Amtsantritt im Mai hat die CDU/CSU in nahezu allen wöchentlichen Insa-Erhebungen an Zustimmung verloren, während die AfD stabil um die 29-Prozent-Marke pendelt. Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 hatte die Union noch 28,5 Prozent geholt, die AfD 20,8 Prozent. Der Vorsprung hat sich seither umgekehrt. Die Bild am Sonntag ordnete den aktuellen Trend als weiteren „Schock“ für Merz ein - und verwies auf die Debatten der vergangenen Woche, die den Umfrageabstand kaum kleiner machen dürften.