Der seit Wochen schwelende Iran-Krieg hat in der Nacht zum Mittwoch eine neue Schwelle überschritten. Iranische Revolutionsgarden feuerten ballistische Raketen und Drohnen auf Kuwait und Bahrain, beides Golfstaaten mit US-Stützpunkten. Das US-Militär meldete kurz darauf einen Gegenschlag auf eine Bodenkontrollstation auf der Insel Qeshm in der Straße von Hormus. Die Bundesrepublik hatte sich vor wenigen Tagen, am 2. Juni, dazu geäußert, dass Teheran die mittelbaren Verhandlungen mit Washington ausgesetzt hatte - jetzt sind die Drohungen Wirklichkeit.
Den schwersten Treffer meldete der kuwaitische Generalstab am Flughafen der Hauptstadt: Mehrere Drohnen seien in das Passagierterminal T1 eingeschlagen, mehrere Menschen wurden verletzt. Der kuwaitische Außenminister sprach von „iranischer Aggression“ gegen ein nicht am Krieg beteiligtes Land. Zwei iranische Raketen auf Kuwait verfehlten dem Pentagon zufolge ihr Ziel oder zerbrachen im Flug, drei Raketen auf Bahrain wurden vom US-Flugabwehrverbund und der bahrainischen Luftwaffe abgefangen. Drei Angriffsdrohnen, die laut US-Centcom auf zivile Schiffe im Persischen Golf gerichtet waren, schossen amerikanische Einheiten ab.
Centcom: Treffer auf Qeshm-Insel
Die US-Antwort kam noch in der Nacht. Centcom teilte mit, eigene Kampfflugzeuge hätten eine Bodenkontrollstation des iranischen Militärs auf Qeshm getroffen - jene Insel in der Straße von Hormus, von der aus Teheran seit Beginn des Krieges die Schiffspassage blockiert. Bereits am Dienstag hatten US-Einheiten nach eigenen Angaben einen leeren iranischen Öltanker nahe der Insel Charg beschossen, der die Blockade habe durchbrechen wollen. Ein Sprecher der iranischen Streitkräfte schrieb auf X: „Wir haben gewarnt, dass jede Aggression mit einer weiteren und entschiedeneren Antwort beantwortet wird, und wir haben es umgesetzt.“
Wir haben gewarnt, dass jede Aggression mit einer weiteren und entschiedeneren Antwort beantwortet wird, und wir haben es umgesetzt.
Donald Trump hatte am Montag, dem 1. Juni, in Washington erklärt, er sei „nicht in Eile“ - die Verhandlungen mit Teheran liefen weiter. Am Dienstag hatten die iranischen Agenturen Fars und Tasnim die Gespräche dann für ausgesetzt erklärt und mit einer „vollständigen Schließung der Straße von Hormus“ gedroht. Die Eskalation in der Nacht zum Mittwoch zeigt, dass beide Seiten zumindest temporär die Diplomatie zugunsten militärischer Demonstration zurückstellen. Die Bundesregierung hat sich bislang nicht öffentlich geäußert, in Brüssel war zunächst eine kurzfristige Telefonschalte des Politischen und Sicherheitspolitischen Komitees angesetzt.
Für den Ölmarkt sind die Ereignisse die ernsteste Bewährungsprobe seit Beginn des Krieges. Über die Straße von Hormus laufen rund 20 Prozent der weltweit gehandelten Rohöl- und Flüssiggasmengen. Der Brent-Preis war bereits am Dienstagabend gestiegen, in Frankfurt rechnen Händler am Mittwoch mit weiteren Aufschlägen. Wadephul, der derzeit in New York um den deutschen Sitz im UN-Sicherheitsrat wirbt, dürfte vor der Abstimmung am Nachmittag noch einmal Stellung beziehen müssen - der Konflikt am Golf wird in den Begründungen vieler Mitgliedstaaten eine Rolle spielen.