Einen Tag nach dem Auftritt des als Clan-Chef geltenden Issa Remmo auf einer Berliner Linken-Wahlparty hat der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak am Montag einen Rückzug angekündigt. Auslöser sind Screenshots eines Chats zwischen Koçak und Remmos Sohn Firas, die dieser am Sonntagabend auf Instagram veröffentlichte. In den Nachrichten vom 17. Februar 2026 grüßt Koçak den Clan-Chef und bittet den Sohn, einen Ausschnitt aus einer Bundestagsrede zur Clankriminalität zu verbreiten. Über den Vorgang berichteten am Montag unter anderem die Berliner Zeitung, t-online und die Tageszeitung taz.
„Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater“, zitiert die taz aus dem veröffentlichten Chatverlauf. Koçak fragt darin Firas Remmo, ab wann er im Büro sei; um 12:06 Uhr desselben Tages schickt er den Ausschnitt seiner Bundestagsrede über Clankriminalität nach. Zum Zeitpunkt der ersten Nachrichten habe er nicht gewusst, mit wem er es zu tun habe, erklärte Koçak laut Berliner Zeitung: „Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Kenntnis davon, um wen es sich handelt.“ Als er es erfahren habe, habe er Firas Remmo dennoch erneut angeschrieben.
„Ein Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte“
In seinem Statement vom Montag räumt Koçak den Kontakt ein und übernimmt Verantwortung dafür. „Dass ich ihm danach schrieb, wie ich es üblicherweise mit vielen Leuten tue, wenn ich Reden veröffentliche, war ein Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte“, zitiert ihn t-online. Grundsätzlich gelte, so der Abgeordnete gegenüber ZDFheute: „Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen.“ Er kündigte an, sich zunächst zurückzuziehen, das Kommunikationsverhalten in seinem Team aufzuarbeiten und für Transparenz zu sorgen.
Mir reicht es langsam. Als MdB hast Du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben.
Aus den eigenen Reihen kam scharfe Kritik. Die frühere Vizepräsidentin des Bundestags Petra Pau (Linke) schrieb auf X, sie glaube Koçak keine Naivität mehr: „Was heißt es eigentlich, Dir jetzt Zeit zu nehmen? Übernehme endlich mal Verantwortung“, zitiert ZDFheute. Koçak hatte im Bundestagswahlkampf 2025 als erster Politiker der Linken ein Direktmandat im Gebiet der alten Bundesrepublik gewonnen und gilt in Neukölln als Aushängeschild der Partei.
Zweiter Vorfall belastet die Landespartei
Für die Berliner Linke ist es der zweite belastende Vorgang binnen 48 Stunden. Bereits am Sonntagabend war Issa Remmo bei den Feiern zum Wahlsieg in Neukölln und im Festsaal Kreuzberg aufgetaucht, wo er nach Angaben von Spitzenkandidatin Elif Eralp „nicht eingeladen“ gewesen sei und „später herausgebeten“ wurde. In den Kreuzberger Räumen dokumentierte die Rechercheplattform Democ zusätzlich den PFLP-nahen Aktivisten Ibrahim Ibrahim. Der Landesverband hatte die Vorgänge am Montag als Einzelfälle eingeordnet; die Debatte über Distanz zur organisierten Kriminalität bekommt mit dem Koçak-Chat nun eine neue Dimension.
Die Linke hatte die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am Sonntag mit 25,7 Prozent gewonnen und stellt damit erstmals die stärkste Fraktion im Landesparlament. Wie lange Koçak seine Aufgaben ruhen lassen will, ließ sein Statement offen.