Der Bundesrat hat am Freitag die Senkung der Luftverkehrsteuer passieren lassen. Damit wird die Abgabe auf Flugtickets zum 1. Juli auf das Niveau vor Mai 2024 zurückgesetzt. Pro Passagier sinkt die Steuer je nach Strecke um 2,50 bis 11,40 Euro, dem Bundeshaushalt entgehen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums dadurch bis zu 355 Millionen Euro im Jahr.

Für Kurzstrecken bis 2.500 Kilometer fällt die Steuer von 15,53 auf 13,03 Euro, für Mittelstrecken bis 6.000 Kilometer von 39,34 auf 33,01 Euro und für Langstrecken darüber hinaus von 70,83 auf 59,43 Euro. Der Bundestag hatte das Gesetz am 21. Mai mit den Stimmen von Union, SPD und AfD beschlossen. Die Bundesregierung begründet die Rolle rückwärts mit der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts: Rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland hingen direkt oder indirekt am Luftverkehr.

Die Senkung ist keine völlig neue Größe, sondern die Rücknahme einer Erhöhung, die die Ampel-Koalition zum 1. Mai 2024 beschlossen hatte. Damals war die Abgabe quer durch alle Distanzklassen um knapp ein Fünftel gestiegen. 2025 fiel die Steuer auf 84 Millionen Tickets an, rund 80 Prozent davon auf Kurzstreckenflügen, wie ZDFheute unter Berufung auf das Bundesfinanzministerium berichtet.

Umweltverbände sprechen vom falschen Signal

Umweltverbände und Opposition kritisieren den Beschluss scharf. „Marktwirtschaftlich ist das unsinnig, klimapolitisch ist es Irrsinn“, sagte Lena Donat von Greenpeace dem ZDF. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nannte die Senkung „ein komplett falsches Signal“, die Klimaaktivistin Luisa Neubauer sprach von „fossilen Steuergeschenken“. Wie die taz berichtet, hatte die Linken-Abgeordnete Doris Achelwilm bereits im Bundestag erklärt, es sei „unverhältnismäßig, Fliegen milliardenschwer zu subventionieren“.

Friedrich Merz betont bei jeder Gelegenheit, dass wir alle den Gürtel enger schnallen müssen. Auf Airlines und Vielflieger trifft das wohl nicht zu.
- Lisa Badum, Bündnis 90/Die Grünen, in der taz

Branche fordert mehr, Ryanair behält die Ersparnis

Die deutsche Luftverkehrswirtschaft nimmt die Entlastung als Anfang, nicht als Lösung. BDL-Präsident Jens Bischoff nannte den Schritt gegenüber airliners.de ein „wichtiges Signal“, Hauptgeschäftsführer Joachim Lang sprach von einer „guten ersten Maßnahme zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit“. Der Branchenverband verweist auf den Befund, dass internationale Fluggesellschaften deutsche Drehkreuze zunehmend meiden, und drängt langfristig auf die vollständige Abschaffung der Abgabe.

Ob die Entlastung bei den Fluggästen ankommt, ist offen. Ryanair kündigte laut taz an, die Steuerersparnis nicht an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben, sondern zur Deckung der eigenen Kosten einzubehalten. Andere Airlines haben sich bislang nicht festgelegt.