Einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind in Magdeburg mehrere Tausend Menschen gegen die AfD und für die Demokratie auf die Straße gegangen. Rund 6.000 Menschen zogen am Samstagnachmittag vom Hauptbahnhof zum Domplatz, wo sich ihnen bei einem „Demokratiefestival“ nach Angaben der Meine Kirchenzeitung weitere 2.000 bis 3.000 anschlossen. Aufgerufen hatte das „Bündnis Sachsen-Anhalt weltoffen“, ein im März 2024 gegründeter Zusammenschluss von mehr als 300 Organisationen aus Gewerkschaften, Kirchen, Diakonie, Caritas, AWO und Vereinen.

Auf der Bühne vor dem Landtag traten unter dem Motto „Vielfältig, demokratisch, solidarisch“ die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die Publizistin Carolin Emcke, die Holocaust-Überlebende Henriette Kretz und Regionalbischöfin Bettina Schlauraff auf. Für die musikalische Begleitung sorgten Sebastian Krumbiegel und Kerstin Ott. Als Redner angekündigt waren zudem die AWO-Bundesvorsitzende Kathrin Sonnenholzer und der stellvertretende DGB-Vorsitzende Stefan Körzell. Der Landesverband der AfD ist vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Die Situation ist einfach nur scheiße.
- Redner der antifaschistischen Kundgebung in Halle, am Sonntagabend, via taz

Am Wahlsonntag geht es weiter

Auch am Wahlsonntag riss die Protestwelle nicht ab. In Magdeburg versammelten sich am Nachmittag laut evangelisch.de rund 400 Menschen erneut auf dem Domplatz. Aufgerufen hatten unter anderem die DGB-Jugend, Greenpeace, „Omas gegen Rechts“ und „Solidarisches Magdeburg“. Die Demonstrierenden legten aus farbigen Papierbögen den 35 mal 50 Meter großen Schriftzug „Wir bleiben bunt“ und rollten eine 50 Meter lange Regenbogenfahne aus. Weitere Kundgebungen waren für Dessau-Roßlau und Halle angesetzt.

Am Abend zogen laut taz etwa 2.000 linke Demonstrantinnen und Demonstranten in Halle vom Hauptbahnhof durch die Stadt, hinter einem Transparent mit der Aufschrift „Antifa bleiben“. Ein Redner eines antifaschistischen Bündnisses aus dem Harz sprach die verbreitete Erschöpfung offen an, beschwor aber den Zusammenhalt der Szene. Über den Wahlsonntag hinaus riefen Bündnisse in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, München, Köln, Stuttgart, Leipzig, Chemnitz, Hannover und Kiel zu weiteren Kundgebungen auf. In der Berliner Landesvertretung Sachsen-Anhalts kündigte ein antifaschistisches Bündnis eine eigene Kundgebung an.

Kirchen öffnen zur Wahlnacht

Parallel zu den Demonstrationen öffneten evangelische Kirchen in Köthen, Kleutsch bei Dessau, Oranienbaum, Dessau-Ziebigk und Preußlitz ihre Türen als Räume zum Gebet und Innehalten am Wahlabend. In der Köthener Jakobskirche war ein Abendgottesdienst mit Karsten Wolkenhauer geplant, dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Die Öffnung sollte nach Angaben der Landeskirche ein Angebot für alle sein, die den Wahlausgang gemeinsam verarbeiten wollten.

Der Kontrast zum Ergebnis der Wahl fällt an diesem Abend deutlich aus: Während sich am Samstag zehntausend Menschen für ein weltoffenes Sachsen-Anhalt versammelt hatten, lag die AfD nach der ARD-Hochrechnung um 19:54 Uhr bei 44,4 Prozent. Für die Bündnisse ist die Arbeit damit nicht zu Ende. „Wir haben die Wahl“, hatten sie am Samstag auf dem Domplatz gesagt. Die Wahl ist getroffen - und das Bündnis kündigt an, weiterzumachen.