Berlin gedenkt am Donnerstag des Baubeginns der Mauer vor 65 Jahren. Am Vormittag treten Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße zur zentralen Gedenkveranstaltung von Bund und Land Berlin zusammen. Sie beginnt um 10 Uhr, im Anschluss ist eine Kranzniederlegung geplant. Nach Angaben der Stiftung Berliner Mauer werden mehr als 120 Vertreter aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft erwartet.

Am Brandenburger Tor eröffnet Kulturprojekte Berlin zeitgleich eine rund 30 Meter lange Installation des Künstlers Hubertus Hamm mit dem Titel „vi|ew“. Das Objekt aus einem Material, das je nach Blickwinkel zwischen Transparenz und Undurchsichtigkeit wechselt, soll nach Angaben der Veranstalter eine Mauer zeigen, die diesmal Ausblicke schafft statt zu trennen. Eine begleitende Open-Air-Ausstellung „Mauerblicke. Berlin 1961-1990“ dokumentiert den Alltag der geteilten Stadt.

Im Vorfeld des Jahrestags meldeten sich mehrere Stimmen mit deutlichen Warnungen zu Wort. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), die friedliche Revolution von 1989 werde in der öffentlichen Debatte zu wenig gewürdigt. Dass die AfD die DDR verharmlose und zugleich behaupte, in Deutschland herrsche heute eine Diktatur, sei nur möglich, weil das Bewusstsein für die Selbstbefreiung fehle.

Die Mauer ist ja nicht gefallen. Sie ist zum Einsturz gebracht worden.
- Katrin Göring-Eckardt, gegenüber dem RND

Auch Dieter Dombrowski, Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, äußerte sich besorgt. Sozialistische Ideologie werde nach seinen Worten „schleichend legitimiert“, obwohl sie in Deutschland und weltweit nur Leid gebracht habe. Über die Warnungen berichteten unter anderem Tagesspiegel und Nordkurier.

Zahlen, die bleiben

Der Mauerbau begann in den frühen Morgenstunden des 13. August 1961, als Truppen der DDR die Sektorengrenze absperrten. Nach Angaben der Stiftung Berliner Mauer starben an der etwa 155 Kilometer langen Grenzbefestigung mindestens 140 Menschen bei Fluchtversuchen; Hunderte weitere kamen an anderen Grenzübergängen der DDR ums Leben. Zwei Monate vor dem Bau hatte der damalige DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz erklärt: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Erst am 9. November 1989 fiel die Mauer, nach 28 Jahren Teilung.

Das Gedenkprogramm läuft bis zum 16. August weiter. In der Kapelle der Versöhnung lesen Angehörige und Zeitzeugen biografische Auszüge aus den Lebensgeschichten der Todesopfer vor, und eine Sonderausstellung an der Bernauer Straße widmet sich Menschen, die über die Ostsee aus der DDR flohen. An einer moderierten Gesprächsrunde nehmen laut evangelisch.de auch Jörg und Franz Hildebrandt teil, die Nachkommen des früheren Versöhnungspfarrers Helmut Hildebrandt. Die Zeremonie in der Kapelle ist geladenen Gästen vorbehalten, wird aber live auf den Vorplatz übertragen.