Die Panzerbrigade 45 „Litauen“ hat in dieser Woche zum ersten Mal eine Gefechtsübung auf litauischem Boden absolviert. Auf dem Truppenübungsplatz Pabrade, weniger als 20 Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt, läuft seit Mittwoch die Hauptphase des Manövers „Freedom Shield 2026“. 2.900 Soldaten aus acht NATO-Staaten sind beteiligt, darunter rund 2.300 aus Deutschland, dazu kommen etwa 800 Fahrzeuge und mehr als 300 Drohnen. Es ist die erste größere Gefechtsübung des dauerhaft in Litauen stationierten Großverbands der Bundeswehr.

Die Brigade war am 1. April 2025 formal in Dienst gestellt worden, der Aufstellungsappell folgte am 22. Mai 2025 in Vilnius. Bis 2027 soll sie ihre volle Einsatzstärke von rund 4.800 Soldaten und 200 zivilen Mitarbeitern erreichen. Sie ist der erste dauerhaft im Ausland stationierte Großverband der Bundeswehr - eine Strukturentscheidung, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und der Verstärkung der NATO-Ostflanke getroffen wurde.

Lehren aus dem Drohnenkrieg in der Ukraine

Wer das Übungsgelände in Pabrade beobachtet, sieht keinen klassischen Panzeraufmarsch. Leopard-2-Kampfpanzer rollen mit Schutznetzen gegen Drohnenangriffe an, Schützenpanzer Puma verteilen sich weit gestreut, dazwischen arbeiten Pioniere und elektronische Kampfführung. „Wir müssen künftig anders kämpfen“, sagte Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, im Vorfeld der Übung. „Massierung wird heute zum inhärenten Vernichtungsrisiko.“ Die Bundeswehr setzt damit um, was in der Ukraine längst Alltag ist: Drohnen lassen klassische Aufmarschformen kaum noch zu, geschützte Räume hinter der Front gibt es praktisch nicht mehr.

Massierung wird heute zum inhärenten Vernichtungsrisiko.
- Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des Heeres

Brigadegeneral Christoph Huber, Kommandeur der Brigade, ordnete den Ansatz so ein: „Dabei lernen wir natürlich von dem, was wir sehen in der Ukraine.“ Trainiert würden vor allem „Drohnen, Drohnenabwehr und Maßnahmen der elektronischen Kampfführung“. Treffer auf Fahrzeugen und einzelnen Soldaten zeichnet das Lasersystem AGDUS auf, damit Auswertung und Korrektur direkt im Anschluss erfolgen können. Huber verwies darauf, dass die Brigade sich nicht für ein abstraktes Szenario aufstelle: „Wir bereiten uns damit auch vor auf mögliche Konfliktszenarien der Zukunft.“

Symbolische Distanz zur belarussischen Grenze

Pabrade liegt nicht zufällig im Übungskalender. Der Truppenübungsplatz ist einer der wenigen NATO-Standorte, an dem Gefechtsübungen in unmittelbarer Nähe zu einem russisch verbündeten Staat möglich sind. Belarus liegt rund 20 Kilometer entfernt, das russische Exklavengebiet Kaliningrad knapp 300 Kilometer westlich. Aus Sicht der NATO-Planer ist die Brigade an der Ostflanke damit das, was ihre Strukturvorgänger im Kalten Krieg an der innerdeutschen Grenze waren - ein dauerhaft präsenter Großverband, der einen Angriff teurer machen soll, als er einbringen würde.

Mit dem Manöver schließt die Bundeswehr eine Lücke, die sie selbst lange offen hatte. Bis zum Aufbau der Brigade 45 hatte sie an der Ostflanke vor allem rotierende Battlegroups im Einsatz, also kleinere Verbände im Wechsel. Ein voll ausgerüsteter Großverband mit eigener Drohnen- und elektronischer Kampfkomponente, dauerhaft stationiert und gefechtsbereit, ist ein anderer Schritt. Ob die Brigade ihr Zielbild bis 2027 erreicht, hängt nun an Personal, Material und Stationierungs-Infrastruktur in Litauen - die Aufbauplanung läuft, Verzögerungen sind bei einem Vorhaben dieser Größe einkalkuliert.