Die Polizei hat 2025 so viele politisch motivierte Straftaten erfasst wie nie zuvor seit Beginn der Statistik im Jahr 2001. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch stellten am Dienstag in Berlin die Bilanz vor: 85.837 Fälle, ein Plus von rund 2 Prozent gegenüber 2024 und mehr als das Doppelte des Werts von 2014. Die Zahl der Gewalttaten stieg leicht auf 4.156.
Den größten Sprung gab es im Spektrum der linksmotivierten Kriminalität. Hier verzeichnet das Bundeskriminalamt 13.490 Straftaten - ein Anstieg von 35,3 Prozent - und damit den stärksten Zuwachs aller Phänomenbereiche. Die linke Gewalt allein wuchs um 42,6 Prozent auf 1.087 Fälle. Als treibende Faktoren nennt das BKA Demonstrationen gegen AfD-Veranstaltungen und Widerstandshandlungen gegen Polizeieinsätze.
Rechte Straftaten bleiben fallzahlenstärkster Bereich
Mit 42.544 Delikten machte die PMK-rechts auch 2025 rund die Hälfte aller erfassten Fälle aus - ein leichter Rückgang um 0,58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die rechtsmotivierte Gewalt nahm jedoch um 7,4 Prozent zu auf 1.598 Fälle. „Bei weitem die meisten Gewalttaten“ gingen, so Dobrindt laut Euronews, auf das Konto rechtsextremer Täter. Münch sagte zu der Gesamtentwicklung, die Taten richteten sich „gegen das Selbstverständnis unserer Demokratie“, wie zdfheute berichtet.
Auch die Hasskriminalität legte zu, auf 22.159 Delikte. Innerhalb dieses Felds stiegen frauenfeindliche Taten um 46,8 Prozent auf 819 Fälle, queerfeindliche um 12,8 Prozent auf 2.377. Antisemitische Straftaten kletterten um rund 5 Prozent auf 6.548. Angriffe auf Polizistinnen und Polizisten registrierte die Statistik mit 5.144 Fällen, ein Plus von 4,7 Prozent.
Straßenkampf und Stromsabotage sind miteinander verschmolzen. Beides spiegelt sich in diesen Kurven.
Wahlkampf als Treiber, Social Media als Beschleuniger
Das BKA führt den Gesamtanstieg auch auf die Bundestagswahl im Februar 2025 zurück. Straftaten gegen Parteien stiegen um 17,2 Prozent auf 13.212 Fälle, Gewalt im Wahlkampf verdoppelte sich auf 151 Vorfälle. Mit Abstand am häufigsten betroffen war die AfD mit 4.050 Delikten, gefolgt von den Grünen (3.367) und der CDU (2.481). Münch verwies zudem auf die Rolle sozialer Medien: Diese beschleunigten Radikalisierung und führten gelegentlich zu schweren Offline-Taten.
Die taz kritisiert in ihrer Analyse, Dobrindt habe rhetorisch zwar zugestanden, dass der Rechtsextremismus „die größte Gefahr“ bleibe, in seiner Argumentation aber den Fokus auf das linke Spektrum gelenkt. Der Minister kündigte zudem an, die Strafverfolgung gegen linke Strukturen verstärken zu wollen - eine Schwerpunktsetzung, die angesichts der Verteilung der Fallzahlen umstritten bleibt. Die religiös motivierten Straftaten verzeichnete die Statistik mit 2.783 Fällen, dazu kommen 6.886 Delikte aus dem Bereich ausländischer Ideologien.