Die Forschungsgruppe Wahlen hat am Freitag das ZDF-Politbarometer Juni I 2026 veröffentlicht, und die Zahlen sind ernüchternd für die schwarz-rote Koalition. Nur 27 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zufrieden, 69 Prozent stellen ihm ein schlechtes Zeugnis aus. In der Sonntagsfrage liegt die AfD mit 27 Prozent vor der Union (25 Prozent), die SPD verharrt bei 12 Prozent.

Besonders unangenehm für den Kanzler: 63 Prozent der Befragten meinen, die Union stehe nicht voll hinter Merz. Selbst unter CDU- und CSU-Anhängern teilen 52 Prozent diesen Eindruck. Das Politbarometer beruht auf einer Telefon- und Online-Befragung von 1.274 Wahlberechtigten zwischen dem 1. und 3. Juni, durchgeführt von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen.

Die Veröffentlichung der Umfrage fiel mit einem Auftritt von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst zusammen, der seit Wochen als möglicher Kanzler-Ersatz gehandelt wird. Beim CDU-Bezirksparteitag in Meschede im Sauerland trat Wüst neben Merz auf das Podium und stellte sich ausdrücklich hinter den Bundeskanzler. „Dabei hast Du, lieber Friedrich, meine volle persönliche Unterstützung und die volle Unterstützung der gesamten CDU Nordrhein-Westfalen“, sagte Wüst laut Handelsblatt. Die Spekulationen über einen Kanzlertausch nannte er „schlicht Unsinn“.

Dabei hast Du, lieber Friedrich, meine volle persönliche Unterstützung und die volle Unterstützung der gesamten CDU Nordrhein-Westfalen.
- Hendrik Wüst, NRW-Ministerpräsident, beim CDU-Bezirksparteitag in Meschede

Auch der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch sprang Merz bei. Er sei „der richtige Kanzler in dieser Zeit“, sagte Koch nach Angaben des Handelsblatts. Hintergrund der Debatte sind Berichte mehrerer Magazine, allen voran Focus, Stern und Bild, über einen möglichen Wechsel an der Parteispitze. Offen verhandelt das in der CDU bislang niemand, doch die schwachen Umfragewerte halten das Thema am Leben.

Reformskepsis und ein anderer Beliebtheitskönig

Das Politbarometer zeichnet auch über die Personalfrage hinaus ein hartes Bild. Nur 24 Prozent rechnen damit, dass die Bundesregierung die Probleme der Sozialversicherungen wirklich angeht. 77 Prozent lehnen eine in Teilen der Union diskutierte Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ab. 66 Prozent glauben nicht, dass die im Koalitionsvertrag avisierten Reformen bis zum Sommer auf dem Tisch liegen werden.

Auf der Politiker-Skala führt ausgerechnet ein Sozialdemokrat. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kommt auf einen Sympathie- und Leistungswert von plus 1,6 und ist damit mit Abstand der beliebteste Politiker. Cem Özdemir (Grüne) liegt bei plus 1,1, Merz selbst rangiert bei minus 1,4, AfD-Chefin Alice Weidel bei minus 2,3.

Für Merz ist die Doppelbotschaft des Freitags heikel: Während Wüst seine Loyalität öffentlich bekräftigt, dokumentieren die Zahlen, dass nicht einmal die eigene Partei geschlossen hinter ihm steht. Jede neue Reformdebatte, ob bei Sozialversicherungen, Rente oder Bürgergeld, wird damit zur Bewährungsprobe für das Kanzleramt.