Die Pegel am Rhein in Nordrhein-Westfalen fallen weiter. Am Freitag meldete die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung an der Messstation Emmerich einen Wasserstand von minus acht Zentimetern, für Samstag prognostizierten die Behörden minus neun. In Duisburg-Ruhrort sank der Pegel auf 147 Zentimeter, in Düsseldorf auf 22 Zentimeter. Der bisherige Rekord in Düsseldorf, gemessen am 2. August, lag bei 20 Zentimetern. In Köln unterschritt der Pegel mit 67 Zentimetern erneut den historischen Tiefstwert vom Wochenanfang. Damit fallen an mehreren Stationen am Niederrhein die Bestmarken früherer Trockenjahre. Aufzeichnungen aus über 100 Jahren werden derzeit unterboten.

Ursache ist eine anhaltende Dürre. Seit Wochen fällt in weiten Teilen des Rheineinzugsgebiets kaum Niederschlag, die Temperaturen erreichten zuletzt bis zu 34 Grad. Nach Angaben des Wetterdienstes daswetter.com liegen die vorhergesagten Niederschlagsmengen der kommenden zwei Wochen bei 1,5 bis 7,5 Litern pro Quadratmeter. Für den Zeitraum vom 10. bis 14. August erwartet die Vorhersage eine neue Hitzewelle mit Höchstwerten von 35 Grad und darüber. „Es handelt sich um eine der schwersten Niedrigwasserphasen der jüngeren Messgeschichte“, schreibt der Dienst - drei der vergangenen acht Jahre, 2018, 2022 und nun 2026, hätten an mehreren Rheinpegeln gleichzeitig Rekord- oder Beinaherekordstände gebracht.

Es handelt sich um eine der schwersten Niedrigwasserphasen der jüngeren Messgeschichte.
- daswetter.com, 6. August 2026

Die Folgen für die Binnenschifffahrt sind bereits messbar. Fähren und Frachter können nicht voll beladen fahren, die Reedereien erheben Kleinwasserzuschläge. Thyssenkrupp Steel Europe hatte bereits Ende Juli die Produktion in Duisburg gedrosselt, BASF und Shell fahren seit Wochen auf Ersatzrouten und lagern verstärkt auf Lastwagen und Schiene um. Der NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) bezeichnete die Situation als „ernst“ und mahnte Bundesmittel für den Ausbau der Wasserstraße zwischen Duisburg und Köln an.

Prognose: keine Entspannung in Sicht

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Rhein sieht auf absehbare Zeit keine Entlastung. Bereits jetzt müssen Ladungen auf mehr Schiffe verteilt werden, um die Fahrrinnen mit reduziertem Tiefgang befahren zu können. Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde reichen die Aufzeichnungen an mehreren Pegeln „weit über 100 Jahre“ zurück - trotzdem werden für die kommenden Tage weitere Rekordtiefs erwartet. Fällt Emmerich am Wochenende unter minus neun Zentimeter, wäre das die tiefste Marke, die je an dieser Station gemessen wurde.

Für die energieintensive Industrie am Niederrhein ist die Lage besonders angespannt. Ökonomen warnen vor steigenden Transportkosten und Produktionsausfällen. Die Chemieindustrie in Krefeld und Leverkusen ist wie 2022 stark auf die Schifffahrt angewiesen, weil ein Großteil der Grundstoffe über den Rhein kommt. Auch die Kraftwerke, die zur Kühlung Rheinwasser nutzen, arbeiten mit reduzierter Leistung. Nach Berechnungen der KfW hatten die Niedrigwasserphasen 2018 und 2022 zusammen einen volkswirtschaftlichen Schaden im dreistelligen Millionenbereich verursacht - die Prognose für 2026 dürfte dahinter nicht zurückbleiben.