Sachsen-Anhalt wählt am Sonntag einen neuen Landtag, und die Beteiligung liegt zur Mittagszeit deutlich höher als vor fünf Jahren. Bis 12 Uhr hatten 34,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie Landeswahlleiterin Christa Dieckmann in Magdeburg mitteilte. 2021 waren es zum gleichen Zeitpunkt 22,4 Prozent, 2016 lag der Wert bei 25,0 Prozent.
Rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte entscheiden in 2.130 Urnenwahllokalen über die Zusammensetzung des neunten Landtags. Die Wahllokale öffneten pünktlich um 8 Uhr, geschlossen wird um 18 Uhr. „Im Verlauf des Vormittags war eine reibungslose Abwicklung des Wahlgeschäftes zu verzeichnen“, teilte Dieckmann mit. Übermäßige Wartezeiten habe es bislang nicht gegeben.
Die Spitzenkandidaten aller großen Parteien gaben am Vormittag ihre Stimme ab. AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund kam gegen 10 Uhr mit seiner Frau Julia auf einer Simson Schwalbe zum Wahllokal in Tangermünde, wie der ZDFheute-Liveticker berichtete. Vor Ort war ein internationales Medienaufgebot: Kamerateams aus Dänemark, Estland und Italien dokumentierten den Wahlgang des Politikers, dessen Landesverband vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft ist. Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) wählte gegen 11:24 Uhr in Magdeburg, begleitet von seiner Frau Kati. SPD-Landesvorsitzender Armin Willingmann gab seine Stimme in Wernigerode ab.
Es geht um unsere Zukunft und nicht um unsere Vergangenheit.
Schulze sagte nach der Stimmabgabe, er glaube, „dass man heute viel gewinnen kann“. Der Amtsinhaber führt seit Januar eine CDU-SPD-FDP-Koalition, nachdem er Reiner Haseloff im Ministerpräsidentenamt beerbt hatte. Seine Union kommt in den letzten Umfragen nur noch auf 22 bis 23 Prozent - ein Absturz um bis zu 15 Prozentpunkte gegenüber den 37,1 Prozent von 2021.
Zwischenfall vor Siegmunds Wahllokal
Nicht überall verlief der Vormittag so ruhig, wie Dieckmann es für das gesamte Land beschrieb. Vor dem Wahllokal in Tangermünde brach nach Siegmunds Stimmabgabe ein Mann zusammen und musste reanimiert werden, wie ZDFheute berichtete. Zum Zustand des Betroffenen gab es zunächst keine gesicherten Angaben.
Die letzten Erhebungen vor der Wahl sahen die AfD bei rund 40 Prozent, ohne dass sie die absolute Mehrheit erreicht. Laut einer ZDF-Umfrage vom Donnerstag folgen die CDU mit 23 Prozent, die Linke mit 11,5 Prozent, die SPD mit 8,5 Prozent, die Grünen mit sechs Prozent, das BSW mit vier Prozent und die FDP mit drei Prozent. Ob Liberale und BSW in den neuen Landtag einziehen, entscheidet über die Koalitionsmathematik: Alle etablierten Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen.
Nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr veröffentlichen ARD und ZDF ihre ersten Prognosen. Das vorläufige amtliche Endergebnis erwartet die Landeswahlleitung in den frühen Montagsstunden. Wir haben am Freitag die Ausgangslage der Wahl beschrieben und die Koalitionsoptionen durchgerechnet.