In Sachsen-Anhalt müssen nach der Landtagswahl vom 6. September rund 53 Wahlbezirke landesweit neu ausgezählt werden. Die Kreiswahlausschüsse in Burgenlandkreis, Altmarkkreis und Wittenberg tagten am Donnerstag und Freitag, um über Nachzählungsanträge zu entscheiden und die amtlichen Endergebnisse für die betroffenen Wahlkreise festzustellen. Auslöser sind in nahezu allen Fällen fehlerhaft ausgefüllte Ergebnistabellen aus einzelnen Wahllokalen - Zwischensummen wurden nicht eingetragen, nur Gesamtwerte notiert. Materielle Veränderungen des Ergebnisses sind bislang nicht bekannt geworden.
Am größten fiel die Nachkontrolle im Burgenlandkreis aus. Dort wurden ab dem 8. September 25 Wahlbezirke aus den Wahlkreisen 39 (Weißenfels), 40 (Naumburg) und 41 (Zeitz) im Landratsamt in Naumburg öffentlich neu gezählt, die Sitzung wurde am 9. September fortgesetzt. Betroffen waren unter anderem Bezirke in Elsteraue, Gutenborn, Kretzschau und Wetterzeube, zusätzlich zwei Briefwahlbezirke aus Lützen. Am Freitag, dem 11. September, kamen die Kreiswahlausschüsse für die drei Wahlkreise um 10 Uhr zusammen, um die offiziellen Endergebnisse förmlich festzustellen. Der Kreiswahlleiter hatte im Vorfeld erklärt, es gebe keine konkreten Hinweise, dass die Nachzählung das Ergebnis ändern würde - die saubere Dokumentation sei aber Voraussetzung für die rechtssichere Feststellung.
Im Altmarkkreis Salzwedel betraf die Nachzählung sieben Wahlbezirke im Wahlkreis 2 (Gardelegen-Klötze), sämtlich aus der Gemeinde Oebisfelde-Weferlingen. Am 10. September ließ der Kreiswahlausschuss die Stimmzettel öffentlich in der Kreisverwaltung neu zählen, am 11. September folgte die Feststellung des amtlichen Endergebnisses für die Wahlkreise 1 und 2. Die Kreispressestelle teilte anschließend mit: „Im Rahmen der Nachzählung wurden keine gravierenden Mängel festgestellt.“ Das Ergebnis für den Wahlkreis 2 wich nicht von den zuvor bekannt gegebenen Zahlen ab.
Wittenberg vertagt Wahlkreis 25 auf Montag
Anders als in Naumburg und Salzwedel bleibt im Landkreis Wittenberg ein Wahlkreis vorerst offen. Der Kreiswahlausschuss stellte am 9. September zwar das Ergebnis für den Wahlkreis 24 fest - direkt gewählt ist dort Andreas Best (AfD). Ein Einspruch aus der Briefwahlauszählung wegen zu geringen Abstands zwischen Wahlbeobachter und Auszählern (1,2 Meter, mit Flatterband markiert) wies das Gremium ab. Für Wahlkreis 25 (Jessen) ordnete der Ausschuss dagegen eine Nachzählung an: In 15 von 81 Wahlbezirken hatten die Auszähler die Summenbildung nicht ausreichend dokumentiert. Die neu ausgezählten Stimmen aus Bezirken in Jessen und Gräfenhainichen sollen den Kreiswahlausschuss am Montag, 14. September um 17 Uhr in die Lage versetzen, auch diesen Wahlkreis abschließend festzustellen. Zusätzlich muss ein Übertragungsfehler in zwei Briefwahlbezirken in Gräfenhainichen korrigiert werden - dort waren zunächst identische Ergebnisse notiert worden, obwohl die tatsächlichen Zahlen abwichen.
Landesweit ändert sich am Bild vom 6. September damit nichts. Die AfD bleibt mit 43,8 Prozent stärkste Kraft und stellt im neuen 83-köpfigen Landtag 39 Abgeordnete, die CDU folgt mit 15 Sitzen, SPD, Grüne und Linke kommen auf je acht, das BSW zieht mit fünf Mandaten erstmals in ein sachsen-anhaltisches Parlament ein. Der Landeswahlausschuss stellt das endgültige amtliche Landesergebnis erst nach den Kreiswahlausschüssen fest. Bis dahin laufen in Magdeburg parallel die Gespräche über die Regierungsbildung; die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze sucht nach Sondierungspartnern jenseits der AfD, die BSW-Landesspitze verhandelt getrennt mit der AfD über Energieversorgung, Bildung und „Friedenspolitik“. Die konstituierende Sitzung des neuen Landtags muss spätestens am 6. Oktober stattfinden.