Die AfD wird laut der ersten Prognose zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit Abstand stärkste Kraft. Die Forschungsgruppe Wahlen sah die vom Verfassungsschutz des Landes als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund um 18 Uhr bei 44,0 Prozent, die ARD-Prognose von Infratest dimap wies sogar 44,5 Prozent aus. Die CDU des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze stürzt auf 18,5 Prozent ab - fast 19 Punkte weniger als 2021.
Damit verdoppelt die AfD ihr Ergebnis vom März 2021 (20,8 Prozent) und würde erstmals in einem deutschen Flächenland als stärkste Kraft ins Parlament einziehen. Wie wir am Morgen berichteten, war die Wahlbeteiligung schon zur Mittagszeit deutlich höher als vor fünf Jahren; die Landeswahlleitung meldete für 16 Uhr 65,3 Prozent. Im Alten Theater in Magdeburg, wo die AfD ihren Wahlabend veranstaltet, brach nach Angaben von t-online donnernder Applaus aus, als die Prognose auf den Bildschirmen erschien.
Hinter der Union folgen Linke und SPD, die sich mit jeweils 9,0 Prozent (ZDF) auf gleicher Höhe bewegen, dahinter die Grünen mit 8,5 Prozent. Das BSW liegt in der Forschungsgruppe-Prognose mit 4,8 Prozent knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde, bei Infratest dimap mit 5,0 Prozent knapp darüber - der Einzug bleibt offen. Die FDP scheitert mit 2,5 Prozent klar. Nach der offiziellen AfD-Wahlchronik ist der Wert in Sachsen-Anhalt das stärkste AfD-Ergebnis in einer Landtagswahl überhaupt; in Thüringen hatte die Partei 2024 mit 32,8 Prozent den bisherigen Rekord gehalten.
Koalition ohne die AfD wird zur Rechenaufgabe
Für Schulze ist das Ergebnis eine Zäsur. Rechnerisch könnte die Union nur mit Linken und SPD, gegebenenfalls plus Grünen, eine Mehrheit gegen die AfD zimmern - ein Bündnis, das die CDU auf Bundesebene bislang ausschließt. Union-Fraktionsvize Sepp Müller lehnte eine Zusammenarbeit mit der Linken vorab kategorisch ab und will die AfD lieber „zappeln und natürlich scheitern“ sehen. Schulze selbst hatte sich in der ZDF-Analyse zurückhaltender positioniert: „Praktische Lösungen müssten in Magdeburg gefunden werden und nicht in Berlin.“ Die Junge Union verschärfte den Ton. Ihr Vorsitzender Nico Elsner sagte laut Forschungsgruppe-Wahlen-Auswertung: „Parteien, die Extremisten in ihren Reihen dulden, haben keinen Platz auf einer Regierungsbank.“ Falls die AfD gewinne, müsse die CDU in die Opposition gehen.
Sachsen-Anhalt darf kein Experimentierfeld für Wutbürger werden.
In Berlin wird der Abend zur Belastungsprobe für die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz. Merz hatte in der Endphase des Wahlkampfs vor einem AfD-Sieg gewarnt und Sachsen-Anhalt zum Testfeld für seine Regierung erklärt. Die SPD droht mit rund 9 Prozent auf ein historisches Tief zu fallen, was den Druck auf die Bundesspitze um Lars Klingbeil und Bärbel Bas erhöht. Der ZDF-Kommentar spricht von einem Ergebnis, das „den Bund erschüttern“ werde - so oder so.
Bis zum vorläufigen amtlichen Endergebnis, das die Landeswahlleitung in der Nacht auf Montag erwartet, bleibt offen, ob es der AfD gelingt, die absolute Mehrheit der Mandate zu erreichen. Entscheidend dafür ist, ob BSW und FDP die Fünf-Prozent-Hürde nehmen. Die ersten Hochrechnungen sollten laut ARD und ZDF ab 18.20 Uhr folgen, verbindliche Zwischenergebnisse aus den Wahlkreisen ab 19 Uhr.