Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hält weitere kurzfristige Sperrungen von Autobahnbrücken für „jederzeit“ möglich. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, das am Samstag verbreitet wurde, verwies der Minister auf die Bonner Nordbrücke über den Rhein, deren Vorlandbauwerk aktuell abgerissen werden muss: „Die Brücke, die wir jetzt abreißen müssen, dieses Teilbauwerk, hat sich innerhalb weniger Wochen dramatisch verschlechtert. Das kann uns immer wieder passieren.“

Die A565-Brücke war Anfang Juni gesperrt worden, nachdem Risse im Beton und Korrosionsschäden am Betonstahl festgestellt worden waren. Schnieder erklärte, das Ministerium und die Autobahn GmbH schauten „seit geraumer Zeit sehr viel engmaschiger auf die Brücken, sonst hätte man das vielleicht gar nicht so schnell erkannt“.

Die Brücken stehen im Fokus meines Ministeriums und auch der Autobahn GmbH, weil sie für uns so wichtig sind und weil der Ausfall einer Brücke dramatische Folgen für die betroffenen Regionen hat.
- Patrick Schnieder, dpa

8.000 Bauwerke im Bestand, 4.000 im Kernnetz

Langfristig müssten rund 8.000 Brücken saniert oder neu gebaut werden, so Schnieder gegenüber dpa. Bis 2032 seien allein etwa 4.000 Brücken oder Brückenteilbauwerke im Kernnetz der Autobahnen an der Reihe. Bis Ende Juni 2026 seien etwa 190 der insgesamt 450 „Fußballfelder“ an Brückenfläche fertiggestellt worden, wie das Handelsblatt aus dem dpa-Gespräch zitiert. Für 2027 stehen 2,8 Milliarden Euro aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität bereit.

Der Fall Berlin-Charlottenburg zeigt, welchen Zeitdruck das Ministerium meint. Dort war 2025 die Ringbahnbrücke am Autobahndreieck Funkturm - einem der meistbefahrenen Verkehrsknoten der Republik - wegen sich ausbreitender Risse im Tragwerk kurzfristig gesperrt worden. Die Neubauplanung läuft, ein vollständiger Ersatz ist erst für 2027 vorgesehen. Bis dahin bestimmen Umleitungen und Staus den Alltag in mehreren Bezirken.

Politischer Streit über das Tempo

Die Bilanz kommt in einer Phase, in der SPD und Grüne mehr Tempo bei der Ertüchtigung des Bestandsnetzes einfordern. Aus den Ländern häufen sich Klagen, dass die Bauwirtschaft an Kapazitätsgrenzen stoße und Ausschreibungen leerliefen. Schnieder verweist auf das Sondervermögen und einen strafferen Fahrplan, ohne konkret zu benennen, welche Bauwerke als nächstes ausfallen könnten. Klar ist nach dem Bonner Fall nur eines: Die Zahl der Objekte, die von Wochen auf Wochen ihre Restnutzungsdauer verlieren, dürfte weiter steigen.