Vier Tage nach der Veröffentlichung der neuen Pisa-Studie zieht Rheinland-Pfalz Konsequenzen. Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) kündigte am Freitag verpflichtende Sprach- und Kompetenztests für Kinder ab viereinhalb Jahren an. „Wenn Kinder in die Grundschule kommen, müssen sie Deutsch sprechen können und bestimmte Fähigkeiten beherrschen“, sagte Schnieder den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Dazu zähle, „einen Stift zu halten, mit einer Schere zu schneiden und Schnürsenkel zu binden“.
Der Anlass ist die am Montag vorgestellte Pisa-Sonderauswertung, in der deutsche Fünfzehnjährige in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften den bislang schwächsten Wert seit dem Start des OECD-Vergleichs erreichten. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte das Ergebnis als „miserabel“ bezeichnet und angekündigt, gezielte Sprachförderung solle bereits in der Kita ansetzen. Schnieder verlagerte den Blick nun noch weiter nach vorn: Man müsse „am Anfang beginnen, damit wir am Ende nicht reparieren müssen“, sagte er dem RND.
Wenn Kinder in die Grundschule kommen, müssen sie Deutsch sprechen können und bestimmte Fähigkeiten beherrschen.
Sprachstandserhebung wird Pflicht
Die Landesregierung habe die Grundlage für die verpflichtenden Tests bereits geschaffen, so Schnieder. Rheinland-Pfalz erhebt bislang bei jedem Kind ungefähr ein Jahr vor der Einschulung den Sprachstand; die Kita-Fachkräfte melden das Ergebnis an das Bildungsministerium in Mainz. Verweigern Eltern eine notwendige Förderung, kann die Schulanmeldung nach Landesrecht verzögert werden. Neu ist, dass die Erhebung nun früher ansetzen und über die Sprache hinaus grundlegende motorische und alltagspraktische Fertigkeiten umfassen soll.
Von den Grünen kam ein anderer Vorschlag: Bundesvorsitzende Franziska Brantner forderte, das sogenannte Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildungspolitik aufzuheben, damit der Bund Kitas und Schulen finanziell stärker unterstützen könne. Schnieder selbst zeigte sich für einen nationalen Bildungsgipfel offen. Deutschlands Rohstoffarmut mache Bildung zur wichtigsten Ressource des Landes, sagte er dem RND.
Für die Bundesregierung hat der Vorstoß aus Mainz Signalwirkung. Prien hatte am Montag angekündigt, dass die Kultusministerkonferenz an einer Stärkung des Deutsch- und Mathematikunterrichts arbeite und die Sprachförderung bereits in der Kita ansetzen solle. Bundesweit einheitliche Vorgaben für einen Test der Schulreife gibt es bislang nicht.