Russlands Präsident Wladimir Putin hat den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder im Kreml zu einem vertraulichen Vier-Augen-Gespräch empfangen. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow bestätigte die Begegnung Ende vergangener Woche gegenüber der russischen Agentur Interfax. Es sei „ein gutes Gespräch“ gewesen, sagte Uschakow, das in „freundschaftlicher“ Atmosphäre verlaufen sei; zu den Inhalten könne er nichts sagen, schließlich habe es sich um eine Begegnung unter vier Augen gehandelt.
Vorangegangen war ein Vorstoß Putins im Mai. Beim Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg hatte der russische Präsident den 82-jährigen Altkanzler öffentlich als seinen bevorzugten europäischen Vermittler im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. Schröder, persönlicher Freund Putins und langjähriger Aufsichtsrat bei Rosneft sowie der Nord Stream AG, hatte seine russischen Mandate nach Beginn des Krieges nie vollständig abgelegt. Eine Aussage vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss zu Nord Stream 2 ließ er im Sommer 2025 mit einem Burn-out-Attest absagen.
Aus Berlin kam eine knappe Antwort. Die Bundesregierung wolle das Gespräch nicht kommentieren, hieß es am Wochenende; das Auswärtige Amt war nach eigenen Angaben nicht eingebunden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Putins Schröder-Vorstoß bereits Ende Mai zurückgewiesen: „Wir Europäer entscheiden selbst, wer für uns spricht. Niemand anders“, sagte Merz, wie ZDFheute berichtet. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wertete Putins Manöver gegenüber t-online als möglichen Täuschungsversuch und sprach von einem Element „hybrider Kriegsführung“; Regierungssprecher Stefan Kornelius wies darauf hin, dass der Kreml seine Verhandlungsbedingungen nicht verändert habe.
Streit in der SPD
In Schröders alter Partei ist die Linie umstritten. Der außenpolitische Sprecher Ralf Stegner verteidigte das Treffen und sagte dem Tagesspiegel: „Es ist eher eine Chance als ein Risiko, wenn der frühere Bundeskanzler Schröder mit Präsident Putin redet.“ Michael Roth, bis 2025 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, hielt dagegen. Ein Vermittler könne „nicht einfach Putins Buddy sein“, sagte er. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) nannte den Vorgang im Spiegel-Interview einen „schlechten Witz“. FDP und Linke lehnten Schröder ebenso ab; Offenheit signalisierten lediglich AfD und BSW, deren Außenpolitikerin Fabio De Masi auf einen möglichen Druck Schröders auf Putin verwies.
Dass Putin Schröder ins Spiel bringt, ist ein schlechter Witz.
EU pocht auf eigene Vertreter
Auf europäischer Ebene fiel die Reaktion ähnlich scharf aus. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verwies auf Schröders frühere Tätigkeit für russische Staatskonzerne; angesichts dessen sei „klar“, warum der Kreml ihn als Vermittler haben wolle. Beim Vierergipfel der E3-Staaten mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Sonntagabend in der Londoner Downing Street wiesen Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Keir Starmer Putins Vorschlag, Altpolitiker einzuschalten, geschlossen zurück. Den Prozess sollten amtierende Regierungen steuern, heißt es aus dem Kanzleramt.
In Kiew klang der Ton noch klarer. Der ukrainische Botschafter in Berlin, Olexij Makejew, sagte t-online: „Wir brauchen keine Vermittler. Wir brauchen Verbündete.“ Schröder fehle es an „moralischer und politischer Legitimität“, er habe russische Interessen in Deutschland zu lange vertreten. Außenminister Andrij Sybiha ergänzte knapp: „Wir unterstützen dies nicht.“ Die EU-27 halten die Einsetzung eines externen Vermittlers laut Kallas ohnehin für äußerst unwahrscheinlich; das Risiko bestehe, dass Schröder „auf beiden Seiten des Tisches“ säße.
Welche Inhalte das Vier-Augen-Gespräch hatte, blieb am Wochenende offen. Schröder selbst äußerte sich öffentlich nicht. Der Kreml teilte mit, ein nächster Termin sei nicht vereinbart. In Berlin verweisen Regierungskreise darauf, dass Putin seine Verhandlungsbedingungen in den vergangenen Wochen nicht verändert habe - und sehen genau darin den eigentlichen Befund über das Moskauer Treffen.