Die Bilder, mit denen AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Wahlkampf für Sachsen-Anhalt in sozialen Netzwerken auftritt, stammen von Aktivisten der rechtsextremen Identitären Bewegung. Das geht aus einer Recherche des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv hervor, die am Sonntag veröffentlicht wurde. Verantwortlich ist ein Verein namens Filmkunstkollektiv, dessen Führungspersonal und Kameraleute laut den Autoren ein „stramm völkisches“ Netzwerk bilden.

Konkret nennt Correctiv drei Namen. Simon K., Vereinsvorsitzender seit 2021, sei bei der NPD-Jugend „Junge Nationalisten“ aktiv gewesen und habe an Aufmärschen der Identitären in Wien teilgenommen; auf Fotos aus dem Juli 2025 zeigt er eine „White Power“-Geste. Dennis B. alias ArminiusDD sei an einer Banneraktion der Identitären im spanischen Ceuta beteiligt gewesen, bei der im August 2026 Segelboote der Organisation an der nordafrikanischen Küste festmachten. Und Jannis G., IB-Mitglied und wegen einer „Remigration“-Bannerentrollung in einem Freibad verurteilt, sei mehrfach mit Siegmund unterwegs gewesen und habe zuvor beim Bundestag keinen Presseausweis erhalten, weil die Sicherheitsabteilung ihn als zu radikal einstufte.

Das „Filmkunstkollektiv“ ist eine rechtsextreme Propagandafabrik. Die Medienschaffenden sind Siegmunds Hofpropagandisten.
- Johannes Hillje, Kommunikationsberater, gegenüber Correctiv

Der Kommunikations- und Politikberater Johannes Hillje ordnete den Fund gegenüber Correctiv als Symptom einer breiteren Entwicklung ein. „Der Verein steht beispielhaft für die Professionalisierung der PR- und Medienarbeit der rechtsextremen Szene“, so Hillje. Nahezu jeder Wahlkampftermin Siegmunds sei „auf die Verwertung auf Social Media ausgelegt“. Sichtbar wird das etwa bei den vielbeachteten Videos, in denen der 35-jährige Wirtschaftspsychologe auf einer DDR-Simson durch Sachsen-Anhalt fährt - Aufnahmen, die die taz bereits im Juni als Versuch beschrieb, ostdeutsche Alltagssymbolik für die AfD zu vereinnahmen.

Siegmund selbst verteidigte die Zusammenarbeit auf Nachfrage. „Das Filmkunstkollektiv macht eine hervorragende Arbeit“, sagte er Correctiv. „Wir machen doch keine Gesinnungsprüfung.“ Auf Fragen zu Vertragswerten und Rechnungsempfängern antwortete der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt nicht. Correctiv beruft sich auf einen anonymen AfD-Insider, wonach die Honorare je nach Termingröße zwischen 5.000 und 30.000 Euro liegen. Die Zahlungen laufen den Autoren zufolge über breit gefasste Haushaltsposten wie „Öffentlichkeitsarbeit“, ohne dass die einzelnen Aufträge öffentlich ausgewiesen wären.

Von Höcke bis zum Remigration Summit

Neu ist das Filmkunstkollektiv nicht. Bereits im Oktober 2024 hatte Correctiv aufgedeckt, dass der Verein einen rund 100-minütigen Imagefilm über den Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke gedreht hat. Die taz beschrieb Vereinschef Simon Kaupert schon im Juli 2025 als „Kader“ der Identitären Bewegung mit einer „stramm völkischen Biografie“. Im Mai 2026 trat das Kollektiv laut Correctiv mit mindestens sieben Personen und Profi-Equipment beim „Remigration Summit“ im portugiesischen Estoril auf - jenem Vernetzungstreffen der europäischen extremen Rechten, das Ideologe Martin Sellner mitorganisierte.

Politisch relevant wird der Fund vor allem, weil in Sachsen-Anhalt am 6. September gewählt wird. Die AfD führt in aktuellen Umfragen mit rund 42 Prozent klar vor der CDU. Siegmund selbst wurde im Mai 2025 mit 98,3 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt. Der Landesverband ist vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Auf Parteitagen und im Bundesvorstand hat die AfD eine Zusammenarbeit mit der Identitären Bewegung formell untersagt. Für Siegmunds Wahlkampfbilder gilt dieses Verbot der Recherche zufolge offenbar nicht.