Vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben sich AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) am Dienstagmittag im Halle-Studio von Volksstimme und Mitteldeutscher Zeitung ein 90-minütiges Live-Duell geliefert. Moderiert wurde die Debatte von Michael Bock, stellvertretender Volksstimme-Chefredakteur, und dem Landtagskorrespondenten Hagen Eichler. In Umfragen liegt die AfD seit Wochen um die 42 Prozent, die CDU folgt mit rund 22 Prozent - eine absolute Mehrheit fehlt Siegmund nach heutigem Stand ebenso wie Schulze eine tragfähige Koalitionsoption jenseits der AfD.

Der auffälligste Moment kam kurz vor Schluss: Siegmund lud den Regierungschef „bei einem Kaffee oder einem Bier“ zum Gespräch über Gemeinsamkeiten ein und setzte nach: „Wollen Sie gern unser Juniorpartner werden?“ Schulze lehnte ab. Zuvor hatte Siegmund die Schnittmenge zwischen AfD und CDU auf 70 Prozent taxiert und Schulze aufgefordert, konkrete Punkte aus dem AfD-Programm zu benennen, die er teile. „Ich finde kaum etwas, was mich befriedigt“, entgegnete der Ministerpräsident und verweigerte weitere Details.

Wollen Sie gern unser Juniorpartner werden?
- Ulrich Siegmund (AfD) zu Sven Schulze, Duell in Halle

Streit um Asyl, Schule und Schulden

Beim Streit über Migration prallten die Linien am schärfsten aufeinander. Siegmund forderte konsequente Abschiebungen und mahnte: „Wir müssen doch unser eigenes Recht mal durchsetzen.“ Schulze widersprach, das Land brauche gezielte Einwanderung in den Arbeitsmarkt: „Wir brauchen eine Zuwanderung in den Arbeitsmarkt“, so der CDU-Chef, der davor warnte, Beschäftigte, die längst Steuern zahlten, unter Generalverdacht zu stellen. In der Schulpolitik plädierte Siegmund für die Wiedereinführung verbindlicher Grundschulempfehlungen und mehr Leistungsorientierung; Schulze wies AfD-Sicherheitsforderungen scharf zurück: „Ich möchte nicht, dass aus der Staatskanzlei heraus die Anweisung kommt, dass auf jedem Schulhof jemand mit Tränengas steht.“

Auch bei den Landesfinanzen blieben die Kandidaten weit auseinander. Siegmund kündigte Einsparungen von 300 bis 500 Millionen Euro an, ohne einen konkreten Konsolidierungspfad zu skizzieren. Schulze verwies auf eine Berechnung des Leibniz-Instituts, wonach dem AfD-Programm ein Fehlbetrag von rund 2,2 Milliarden Euro fehle: „Sie versprechen Dinge, die Sie so definitiv nicht einhalten können“, warf der Ministerpräsident dem Herausforderer vor.

In den Wortgefechten setzten beide Kandidaten auf persönliche Angriffe. Als Schulze bemängelte, Siegmund weiche in Debatten von harten Programmpositionen ab, konterte der AfD-Politiker: „Sie spinnen sich was zurecht, weil Sie inhaltlich blank sind.“ Schulze warf Siegmund im Gegenzug thematische Beliebigkeit vor: „Sie kommen von Ärzten schnell zu Messerdelikten.“ Die Berliner Zeitung fasste den Schlagabtausch als weitgehendes Aneinander-Vorbeireden zusammen; substanzielle Annäherungen habe es nicht gegeben.

Endspurt vor dem 6. September

Der Auftritt in Halle war die letzte direkte Konfrontation der Spitzenkandidaten vor dem Wahltag. Volksstimme und MZ setzten im Anschluss um 18:30 Uhr das Analyseformat „Vor der Entscheidung - Das Duell - Fazit“ nach; um 20:00 Uhr folgte eine Sonderfolge des Podcasts „2,1 Millionen“. Nach heutigem Stand reicht der AfD-Vorsprung nicht für eine Alleinregierung, für Schulze fehlt eine rechnerische Mehrheit ohne die Linke. Der ausstehende dritte Wahlgang im Landtag, für den eine relative Mehrheit reicht, könnte am Ende über eine Enthaltung von BSW oder anderen Fraktionen entscheiden.