Jens Spahn hat am Samstagnachmittag sein Amt als Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag niedergelegt. In einem Schreiben an die Fraktion erklärte der CDU-Politiker, sein Wunsch, mit seinem Mann Daniel Funke eine Familie zu gründen, sei „nicht vereinbar“ mit seinem politischen Amt. Wie t-online und der Tagesspiegel berichten, kam der Rücktritt wenige Stunden, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder Spahn in einem Telefonat zum Schritt aufgefordert hatte.
Wie wir am Vormittag berichteten, hatte sich zuvor der CDU-Kreisverband Brilon - Merz' Heimatverband im Sauerland - öffentlich für den Rücktritt ausgesprochen und Spahn vorgeworfen, sich „ein Kind auf einem Weg zu wünschen, den er sonst allen anderen deutschen Paaren verwehrt“. Im Laufe des Nachmittags kippte die Stimmung auch in der Fraktionsspitze; das für Montag angesetzte CDU-Präsidium hätte den Fall ohnehin zum Thema gehabt.
Merz bewertete den Schritt öffentlich als „richtig und unvermeidlich“. „Glaubwürdigkeit ist in der Politik das höchste Gut“, teilte der Kanzler in seiner Rolle als CDU-Chef mit. „Ich danke Jens Spahn für die Zusammenarbeit.“ In der Erarbeitung der Reformvorhaben der vergangenen Wochen sei Spahn „eine wichtige Stütze der Koalition“ gewesen. Noch am Vortag hatte Merz Spahn zur Vaterschaft gratuliert und war dann laut ZDFheute im Laufe des Freitags auf Distanz gegangen.
Meine Familie ist mir das Wichtigste.
Hoffmann übernimmt kommissarisch, Frei als möglicher Nachfolger
Die Fraktionsgeschäfte führt bis zur Wahl eines Nachfolgers CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann. „Die Entscheidung von Jens Spahn verdient allerhöchsten Respekt“, teilte Hoffmann laut Tagesspiegel mit. Söder dankte für die „sehr gute Zusammenarbeit, gerade in schwierigen Zeiten“. Als Kandidat für die dauerhafte Nachfolge wird laut ZDFheute Kanzleramtschef Thorsten Frei gehandelt; Merz und Söder wollen den Vorschlag mit Fraktion und Parteigremien abstimmen.
Spahn und Funke hatten am Mittwoch mitgeteilt, per Leihmutter in den USA Eltern eines Sohnes geworden zu sein. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten; die CDU hatte im Februar 2026 einen entsprechenden Beschluss bekräftigt. Als Bundesgesundheitsminister zwischen 2018 und 2021 fiel das Verbot zeitweise in Spahns eigenen Zuständigkeitsbereich - der Vorwurf der Doppelmoral hatte die Debatte in den vergangenen Tagen bestimmt.
Aus der Koalition kam betont sachlicher Respekt. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch erklärte, er habe „großen Respekt vor Jens Spahns Entscheidung“, und wünschte der Familie alles Gute. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bezeichnete die Debatte laut nw.de als „in vielem überzogen“, räumte aber legitime Fragen ein. Für Merz endet damit eine Woche, in der der Kanzler zunächst gratulierte, dann seinen wichtigsten Fraktionsmann zum Rückzug drängte.