Die SPD ist in der neuen GMS-Sonntagsfrage auf elf Prozent abgerutscht und liegt damit erstmals gleichauf mit der Linken. Das Mannheimer Institut veröffentlichte die Zahlen am Montagabend; befragt wurden zwischen dem 27. Mai und dem 1. Juni 1.023 Wahlberechtigte telefonisch und online. Die AfD führt die Erhebung mit 27 Prozent an (plus drei Punkte gegenüber März), die Union folgt mit 23 Prozent (minus drei), dahinter die Grünen mit 16 Prozent (plus vier). Die FDP kommt erstmals seit August 2024 wieder über die Fünf-Prozent-Hürde, das BSW verharrt bei zwei Prozent.
Für die Sozialdemokraten ist es der schlechteste Wert, den GMS jemals für die Partei ausgewiesen hat - und das in einer Umfragereihe, die bis Anfang der achtziger Jahre zurückreicht. Innerhalb von drei Monaten haben Lars Klingbeil und Bärbel Bas damit fünf Punkte verloren, fast jeder dritte SPD-Wähler vom März hat die Partei in der aktuellen Erhebung nicht mehr genannt. Auch persönlich ist das Doppel der Vorsitzenden tief im Minus: GMS misst für beide einen Sympathiewert von minus 0,7, den schlechtesten Wert, den Klingbeil je in dieser Skala erreicht hat. Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek steht mit minus 0,2 deutlich besser da.
FDP zehrt vom Kubicki-Effekt
Die Liberalen profitieren in der Erhebung offenkundig vom Wechsel an der Parteispitze. Wolfgang Kubicki war am Samstag, dem letzten Wochenende der Befragung, auf dem Bundesparteitag in Berlin im Stichentscheid mit knapp 60 Prozent gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann zum FDP-Vorsitzenden gewählt worden. Im März, noch unter dem Vorgängerteam, hatte GMS die Partei bei drei Prozent gemessen; jetzt sind es fünf. Damit wäre die FDP wieder im Bundestag - ein Befund, der quer zu mehreren anderen Instituten steht, die die Liberalen aktuell weiter unter fünf Prozent sehen.
Die FDP setzt jetzt auf den rechtsliberalen Wolfgang Kubicki - und das schlägt sich offenbar unmittelbar in den Zahlen nieder.
Für die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz und Klingbeil ist das Bild dennoch ungemütlich. Union und SPD kämen zusammen nur noch auf 34 Prozent - sieben weniger als bei ihrem Antritt im Mai 2025. Eine Mehrheit jenseits der AfD wäre rechnerisch nur über ein Dreierbündnis mit den Grünen zu organisieren, deren Wert nach dem Streit um den Tankrabatt und die Wehrdienst-Frage spürbar gestiegen ist. Die AfD profitiert weiter von der Energiepreis-Debatte; das ZDF-Politbarometer hatte bereits im März eine Mehrheit dafür gemessen, dass die Regierung in der Frage zu wenig tut.
Klingbeil und Bas hatten den Parteivorsitz im Mai 2025 nach dem Rücktritt von Saskia Esken und dem Wechsel von Lars Klingbeils Vorgänger in die Regierung übernommen. Ein Sonderparteitag, der eigentlich die Personaldebatte beenden sollte, steht im SPD-Terminkalender bislang nicht. In der Fraktion mehren sich nach Tagesspiegel-Informationen Stimmen, die für den Herbst eine Strategie- und Personaldiskussion einfordern. Bis dahin wird sich zeigen müssen, ob die elf Prozent ein Ausreißer einer einzelnen Umfrage sind - oder der Beginn einer Phase, in der die Sozialdemokraten dauerhaft mit der Linken um Platz vier konkurrieren.