Der Bundestag hat am Freitagabend das Sportfördergesetz beschlossen. 561 Abgeordnete stimmten für den Entwurf, 43 dagegen, Enthaltungen gab es keine, wie Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour im Anschluss verkündete. Union, SPD, Grüne und AfD trugen die Reform mit, allein die Linke stimmte geschlossen dagegen. Kernstück des Gesetzes ist eine unabhängige Spitzensportagentur mit Sitz in Leipzig, die künftig als zentrale Bundesstelle über die Verteilung der Fördermittel entscheiden soll.
Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) sprach im Plenum von einer historischen Woche. „Wir wollen Deutschland zurück an die Weltspitze bringen und bei internationalen Wettkämpfen mehr Medaillen gewinnen“, sagte die Ministerin laut Sportschau-Bericht. Erstmals sei die Spitzensportförderung damit gesetzlich verankert. Der Bund plant für die neue Agentur im Bundeshaushalt 2027 rund 362 Millionen Euro ein; von 2031 an sollen die reinen Betriebskosten der Stiftung bei 8,4 Millionen Euro jährlich liegen.
Paradigmenwechsel - oder nur ein Anfang
In der Debatte lobte Unions-Sportpolitiker Stephan Mayer das Vorhaben als „Meilenstein“ und „Paradigmenwechsel“: Die unabhängige Leitung reduziere den Einfluss von Politik und organisiertem Sport. Aus der AfD kam trotz Zustimmung Kritik am Tempo. „Das Gesetz kommt aber viel zu spät und ist nur ein Anfang“, sagte AfD-Sportsprecher Jörn König. Auch die Grünen trugen den Entwurf mit, mahnten aber mehr Transparenz und Mitbestimmung der Aktiven an. Die Linke wandte sich gegen die Fokussierung auf Medaillen; Jorrit Bosch kritisierte laut Sportschau eine „Sportförderung je nach Kassenlage“ und die aus seiner Sicht unzureichende soziale Absicherung der Trainerinnen und Trainer.
Der Deutsche Olympische Sportbund reagierte verhalten zufrieden. Präsident Thomas Weikert erklärte, die Regierung habe kurz vor der Abstimmung zentrale Wünsche des Verbandes aufgegriffen. So wurde der Stiftungsrat von neun auf zehn Sitze erweitert, der DOSB entsendet nun vier statt drei Mitglieder, einer davon geht an die Athletenkommission.
Das Gesetz bietet eine gute Grundlage, auf der wir Erfolge aufbauen können.
Für den DOSB wären laut Weikert dennoch „mehr Planungssicherheit durch klare Finanzierungszusagen des Bundes, mehr Unabhängigkeit der Agentur und mehr Bürokratieabbau“ möglich gewesen. Die Athletenvertretung Athleten Deutschland reagierte deutlich schärfer: Ein eigener Sitz im Stiftungsrat sei trotz jahrelanger Beteiligung am Reformprozess nicht vorgesehen. Der Verein hatte in einer Stellungnahme bereits den Referentenentwurf abgelehnt und moniert, die Reform verschiebe die Machtverhältnisse zugunsten von Bund und DOSB.
Zeitplan zielt auf Los Angeles 2028
Der Bundesrat soll das Gesetz nach der Sommerpause abschließend beraten. Läuft es wie geplant, wird die Stiftung im September gegründet und nimmt 2027 den operativen Betrieb auf. Zwei hauptamtliche Vorstände, die weder aus der Politik noch aus dem organisierten Sport kommen dürfen, sollen die Fördermittel dann auf Verbände, Athletinnen und Olympia-Stützpunkte verteilen. Der volle Förderzyklus greift laut Schenderlein aber erst nach den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 2028 - jenen Spielen, die auch der Referenzpunkt für die deutsche Bewerbung um die Ausrichtung eigener Sommerspiele werden.