Um 11.30 Uhr am Donnerstagvormittag hat die Deutsche Bahn in Hamburg den letzten Akt des seit Jahren geplanten Sternbrücken-Neubaus gestartet. Ein 108 Meter langer Stahlbogen mit rund 3.700 Tonnen Eigengewicht rollt seither auf 1.088 Rädern selbstfahrender Modultransporter über die Max-Brauer-Allee Richtung Altona. Bis zum Abend soll das Bauwerk über der Kreuzung Stresemannstraße liegen und dort auf die neuen Widerlager abgesetzt werden, wie die Deutsche Bahn in einer Mitteilung ankündigte.
Rund 500 Meter Strecke, Höchsttempo ein Kilometer pro Stunde, mehr als 100 Fachleute im Einsatz: Der Einhub gilt als eine der aufwendigsten Bahnbauoperationen des Jahres. Der Stabbogen mit zwei nach innen geneigten Stahlbögen trägt künftig vier Gleise, spannt sich stützenfrei über die Kreuzung und ersetzt die Vorgängerbrücke, die nach knapp hundert Jahren am Ende ihrer technischen Lebensdauer war. Die neue Konstruktion wurde in 14 Monaten auf einer Baustelle nördlich der Trasse vormontiert - dieses Verfahren verkürzt nach Angaben der Bahn die Sperrpause deutlich.
Die Sternbrücke ist mehr als ein Bauwerk - sie steht für bessere Infrastruktur mitten im Leben der Hamburger:innen.
Für den Einhub hat die Deutsche Bahn die Verbindungsbahn zwischen Sternschanze und Altona bereits am 17. Juli komplett gesperrt. Die Sperrung gilt bis zum 30. August und trifft täglich mehr als tausend Züge im Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr. Die Kreuzung Stresemannstraße/Max-Brauer-Allee, über die sonst rund 48.000 Fahrzeuge am Tag rollen, bleibt bis Ende August für den Autoverkehr dicht; als Ausweichroute empfehlen die Behörden die Elbchaussee. Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) sprach gegenüber der Deutschen Bahn von einem „technischen Meisterstück“.
Denkmalschutz und jahrelanger Widerstand
Die zweite Sternbrücke von 1926 stand unter Denkmalschutz und wurde ab dem 17. Juli abgerissen. Sie war rund 75 Meter lang, 17 Meter breit und wog 888 Tonnen - der Neubau ist damit gut viermal so schwer wie sein Vorgänger und deutlich breiter. Die Initiative Sternbrücke und die Bürgerinitiative Prellbock Altona hatten jahrelang gegen den Abriss protestiert und Klagen eingereicht, die vor Gericht scheiterten. Kritisiert wurden die Dimensionen des Neubaus, der Verlust denkmalgeschützter Substanz und der Wegfall angrenzender Gewerbeflächen im Schanzenviertel.
Der Neubau kostet nach Angaben der Bahn 125 Millionen Euro, die sich Bund und Stadt teilen. Wenn der Einhub am Donnerstagabend gelingt, sind die feinjustierten Anschlüsse an Gleise, Oberleitung, Schallschutzwände und Fahrbahnübergänge bis Ende August fertigzustellen. Erst dann rollen wieder Fernzüge zwischen Hauptbahnhof und Altona; die Kreuzung darunter soll laut Deutscher Bahn kurz danach für den Autoverkehr geöffnet werden.