Drei Tage nach dem offiziellen Aus für das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS hat sich am Donnerstag auf der ILA Berlin in Schönefeld eine deutsche Industrieallianz formiert. Acht Konzerne - Airbus Defence and Space, Hensoldt, MTU Aero Engines, MBDA Deutschland, Diehl Defence, Rohde & Schwarz, Liebherr und Autoflug - unterzeichneten ein gemeinsames Positionspapier unter dem Namen „Team Gen 6“. Sie wollen die Lücke füllen, die Kanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron am 8. Juni mit der Beerdigung des über 100 Milliarden Euro schweren Programms gerissen haben.
Adressaten des Papiers sind das Kanzleramt und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Die Forderung ist klar: Berlin soll noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 Aufträge in vollem Umfang vergeben. Spanische Unternehmen - Indra, Grupo Oesía, GMV, ITP Aero, Sener und die spanische Airbus-Tochter - signalisierten zeitgleich Unterstützung. Aus dem rein deutsch-französisch-spanischen FCAS soll, so der Plan, ein deutsch-spanisch geführtes Konsortium mit europäischer Anschlussfähigkeit werden.
Schöllhorn: „bereit, Verantwortung zu übernehmen“
Airbus-Defence-Chef Michael Schöllhorn formulierte die Ansage in Schönefeld so: „Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Die Allianz strebe „kein rein nationales Programm“ an, sondern eine führende Rolle der deutschen Industrie in einem europäischen Rahmen, sagte er auf der Messe. Hinter der Formel steckt der Versuch, den Eindruck zu vermeiden, Berlin ziehe sich nach dem Bruch mit Paris in einen Alleingang zurück.
Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Das technologische Ziel bleibt das gleiche wie bei FCAS: ein Kampfflugzeug der sechsten Generation, ergänzt durch unbemannte Begleitsysteme, Sensoren und ein Datennetz, das die Plattformen verknüpft. Eurofighter und Tornado, derzeit das Rückgrat der Luftwaffe, sollen bis Anfang der 2040er Jahre abgelöst werden. Genau diese Substanz - vernetzte Systeme, Drohnen, Künstliche Intelligenz - will die Bundesregierung laut ZDFheute aus den Trümmern des FCAS-Programms retten. Drei Milliarden Euro hat Deutschland nach Schätzungen in Entwicklungsarbeit gesteckt, die nun teilweise wertlos ist.
Pistorius hält die Tür für F-35 und GCAP offen
Der Verteidigungsminister reagierte zurückhaltend. Team Gen 6 sei „denkbar und eine Möglichkeit“, zitiert ihn Defense News - Berlin prüfe parallel den Zukauf weiterer F-35 von Lockheed Martin sowie einen Einstieg in das britisch-italienisch-japanische Programm GCAP. Pistorius verwies darauf, dass die Probleme im FCAS-Konsortium „schon seit einiger Zeit“ bekannt gewesen seien und das Ministerium bereits seit Monaten mit verschiedenen Akteuren über Optionen spreche.
Im Bundestag fielen die Reaktionen entlang der Lager auseinander. Grünen-Chefin Franziska Brantner warnte im Tagesspiegel: „Wenn es schlecht läuft, steht am Ende gar kein europäisches modernes Kampfflugzeug, oder nur eines mit einem amerikanischen Motor. Das ist fahrlässig.“ SPD-Verteidigungspolitiker Christoph Schmid hingegen begrüßte das FCAS-Aus als „eher einen Vorteil, weil jetzt Klarheit herrscht“, und plädierte für Gespräche mit Briten, Italienern, Japanern und Schweden. CDU-Verteidigungsausschussvorsitzender Thomas Röwekamp nannte das Scheitern „bedauerlich“ und forderte neue Kooperationen mit London, Madrid und Stockholm.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie verbindlich der Druck aus Schönefeld auf das Kanzleramt wirkt. Klar ist: Wenn die Industrie eine Entscheidung im Herbst sehen will, muss der Haushaltsausschuss im September liefern. Sonst droht das, wovor Brantner warnt - ein deutscher Kampfjet, der entweder gar nicht entsteht oder am Ende mit amerikanischem Triebwerk fliegt.