Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat beim Mercosur-Gipfel in Asunción angekündigt, dass Deutschland im Juli zu den ersten EU-Staaten gehören wolle, die das Partnerschaftsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund formell ratifizieren. Der Schritt solle „unsere politische Partnerschaft auf eine noch höhere Ebene heben“, sagte Wadephul am Dienstag in der paraguayischen Hauptstadt. Begleitet wurde er nach Angaben des Auswärtigen Amts von Bundestagsabgeordneten und einer Wirtschaftsdelegation.

Wadephul bezeichnete das Abkommen als „historisch und zukunftsweisend“. Es schaffe eine der weltweit größten Freihandelszonen mit einem Markt von 700 Millionen Menschen und rund 20 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Ziel der Bundesregierung sei, das vorläufig geltende Handelsabkommen so rasch wie möglich in eine endgültige Form zu überführen, wie die WirtschaftsWoche berichtet.

Unsere politische Partnerschaft auf eine noch höhere Ebene heben.
- Johann Wadephul, Bundesaußenminister, in Asunción

Hinter der Berliner Eile steht ein rohstoffstrategisches Kalkül. Mit einer engeren Anbindung an Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay will die Bundesregierung die Abhängigkeit von China bei Seltenen Erden und kritischen Mineralien verringern, die für Batterien, Halbleiter und Energiewendetechnologien gebraucht werden. Die EU-Kommission hatte das Abkommen am 27. Februar 2026 für ein vorläufiges Inkrafttreten freigegeben; seit Anfang Mai ist der Handelsteil in Kraft. Das politische Partnerschaftsabkommen tritt erst nach Ratifizierung durch alle EU-Mitgliedsstaaten und die beteiligten Mercosur-Länder in Wirkung.

Spannungen im südamerikanischen Bündnis

Geschlossen wirkt der Mercosur in Asunción nicht. Paraguays Außenminister Rubén Ramírez Lezcano warf den größeren Mitgliedern vor, beim Zugang zum europäischen Markt unverhältnismäßig zu profitieren, solange keine verbindlichen Verteilungsregeln für Exportquoten existierten - „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, zitiert die Tageszeitung Junge Welt seinen Auftritt. Brasiliens Außenminister Mauro Vieira widersprach Argentiniens Plänen für ein bilaterales Handelsabkommen mit den USA, das aus seiner Sicht den gemeinsamen Außenzoll des Bündnisses aushöhlt.

Argentiniens Präsident Javier Milei sagte seine Teilnahme am Gipfel kurzfristig ab und traf nach Berichten der Junge Welt stattdessen den brasilianischen Bolsonaro-Senator Flávio Bolsonaro. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva pochte demgegenüber auf den gemeinsamen Zoll und warnte vor Alleingängen einzelner Mitglieder. Paraguay übergibt nach Abschluss der 68. Sitzung des Gemeinsamen Marktrats die Mercosur-Präsidentschaft turnusgemäß an Uruguay.

Wadephul wollte am Rande des Gipfels mit Paraguays Präsident Santiago Peña sowie mit Chiles designiertem Präsidenten José Antonio Kast zusammentreffen. Anschließend reist der Minister nach Argentinien und Brasilien weiter. In Berlin gilt der Mercosur-Vertrag als wichtigstes außenwirtschaftliches Vorhaben der Regierung Merz - zugleich aber als politisch sensibel: Frankreich, Polen und Irland haben in den vergangenen Jahren mehrfach Vorbehalte gegen Agrarimporte aus Südamerika angemeldet.