Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Freitagmorgen im Garten des Kanzleramts die neue Aufstellung seines Regierungsteams offiziell verkündet. Nina Warken, seit Mai 2025 Bundesgesundheitsministerin, wird Chefin des Bundeskanzleramts und damit die erste Frau in dieser Rolle seit Gründung der Bundesrepublik. „Mit ihr wird in das deutsche Bundeskanzleramt zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes eine Frau einziehen als die Chefin des Bundeskanzleramtes“, sagte Merz vor der Bundespressekonferenz. Zeitgleich präsentierte er Carsten Linnemann als Nachfolger im Gesundheitsressort und Philipp Amthor als Staatsminister für die Bund-Länder-Koordinierung.

Merz begründete die Personalie mit Warkens Bilanz aus knapp 14 Monaten im Bundesgesundheitsministerium. Sie habe gezeigt, „dass sie ein Ministerium führen und dass sie Reformen auch gegen Widerstände durchsetzen kann“, und sei „eine harte Verhandlerin“, so der Kanzler nach übereinstimmender Wiedergabe der Rhein-Zeitung und der Neuen Zürcher Zeitung. Gemeint war das umstrittene Kostendämpfungspaket in der gesetzlichen Krankenversicherung, das der Bundestag am 10. Juli mit knapper Mehrheit verabschiedet hatte und das rund 19 Milliarden Euro einsparen soll.

Mit ihr wird in das deutsche Bundeskanzleramt zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes eine Frau einziehen als die Chefin des Bundeskanzleramtes.
- Friedrich Merz, Bundeskanzler, am 24. Juli 2026 im Garten des Kanzleramts

Vom Amtsgericht Adelsheim ins Zentrum der Macht

Warken, 47, ist Juristin aus Baden-Württemberg, sitzt seit 2013 im Bundestag und war bis zu ihrer Ministerernennung im Mai 2025 juristische Referentin am Amtsgericht Adelsheim. Als Merz sie damals ins Kabinett holte, galt sie als fachfremd - eine Wahrnehmung, die spätestens mit der GKV-Finanzreform verstummte. Merz hatte ihre Arbeit im April im ZDF-Sommerinterview öffentlich gelobt, was ZDFheute damals als Signal wertete, dass die zunächst wenig bekannte Ministerin in der Union an Statur gewinne.

Seit 2024 führt Warken die Frauen-Union der CDU mit rund 155.000 Mitgliedern. Diese Rolle hat nach Recherchen der Wirtschaftswoche eine unmittelbare Vorgeschichte zur aktuellen Rochade: CDU-Politikerinnen hätten Merz „vor knapp einer Woche“ über Warken wissen lassen, dass die Debatte um Jens Spahns Rückzug nach dessen Umgang mit der Leihmutterschaftsfrage in der Fraktion nicht folgenlos bleiben dürfe. Spahn trat wenige Tage später als Fraktionsvorsitzender zurück und löste damit die Kettenrochade aus, die nun Warken ins Kanzleramt und Thorsten Frei an die Fraktionsspitze bringt.

Formell fällig mit der Fraktionswahl am 29. Juli

Der personelle Umbau greift vollständig erst nach der Sitzung der Unionsfraktion am kommenden Dienstag, in der die 208 Abgeordneten Frei zum Vorsitzenden wählen sollen. Erst mit Freis Wechsel ins Reichstagsgebäude wird der Posten des Kanzleramtsministers formell frei. Merz kündigte im Anschluss weitere Kabinettsveränderungen an, ohne Details zu nennen: „Es wird weitere Veränderungen im Bundeskabinett geben. Darüber werde ich zu gegebener Zeit Sie informieren.“ Am Nachmittag berichteten mehrere Medien, Verkehrsminister Patrick Schnieder habe Abgeordnete per SMS über seine bevorstehende Entlassung informiert.

Für Warken bedeutet der Wechsel den Sprung aus einem Fachressort in die politische Steuerungszentrale. Als Chefin des Kanzleramts wird sie Koalitionsausschuss und Ministerpräsidentenkonferenz vorbereiten und die Ressortkoordinierung übernehmen - eine Rolle, die ihre Vorgänger von Otto Schily bis Frei stets aus dem inneren Zirkel des jeweiligen Kanzlers besetzten. Merz zählt sie damit sichtbar zu diesem Kreis.