Am Donnerstag um Punkt 11 Uhr haben Handys, Radios, Fernseher und Sirenen in ganz Deutschland gleichzeitig Alarm geschlagen. Es war der sechste bundesweite Warntag seit der Wiederaufnahme des Formats 2020, und zum ersten Mal folgte nach dem Probealarm um 11.45 Uhr eine Entwarnung, die das Modulare Warnsystem MoWaS über den Mobilfunkkanal Cell Broadcast an die Endgeräte schickte. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat den Test in einer ersten Bilanz noch am selben Tag als bestanden bewertet.
„Unsere Warnsysteme funktionieren zuverlässig, erreichen unsere Bevölkerung auf den unterschiedlichsten Wegen und sind entscheidend für den Bevölkerungsschutz“, erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) laut der offiziellen BBK-Mitteilung. BBK-Präsidentin Grit Tüngler zog eine ähnliche Bilanz und verwies darauf, dass Bundeswarnsystem und angebundene Kanäle in der Lage seien, im Ernstfall Millionen Menschen zu erreichen. Ausgespielt wurde die Meldung über Fernsehen, Radio, Warn-Apps wie NINA und Katwarn, Cell Broadcast, digitale Werbetafeln, Sirenen und in einigen Kommunen zusätzlich über Lautsprecherwagen.
Die zweite Neuerung des Jahres war weniger sichtbar, aber technisch relevant: Erstmals wurden auch Digitalradios über den ASA-Standard (Automatic Safety Alert) angesteuert, für den seit 2025 zertifizierte DAB+-Geräte im Handel sind. Voraussetzung, damit die neue Cell-Broadcast-Entwarnung überhaupt beim Nutzer ankommt, ist mindestens Android 11 oder iOS 16.1, ein eingeschalteter Empfang und die aktivierte Warnstufe 3, die die Meldungen in reduzierter Lautstärke ausgibt. Wer die niedrigste Warnstufe deaktiviert hatte, bekam den Alarm um 11 Uhr, die Entwarnung um 11.45 Uhr aber nicht.
Unsere Warnsysteme funktionieren zuverlässig, erreichen unsere Bevölkerung auf den unterschiedlichsten Wegen und sind entscheidend für den Bevölkerungsschutz.
97 Prozent - unter Vorbehalt
Wie belastbar die Zahlen tatsächlich sind, ist innerhalb der Fachszene umstritten. Der BBK verweist auf eine Reichweite von 97 Prozent aus der offenen Online-Umfrage zum Warntag 2025, an der sich 117.073 Menschen beteiligten. Die Behörde räumte damals selbst ein, dass Nutzer der Warn-App NINA in dieser Erhebung überrepräsentiert seien. In einer parallel durchgeführten repräsentativen Befragung von 1.014 Personen erreichte Cell Broadcast nur 41 Prozent der Befragten, Sirenen 56 Prozent und die NINA-App 20 Prozent, wie das Fachportal netz-trends.de aus den BBK-Daten aufbereitet hat. Ob die neue Umfrage 2026 methodisch gewichtet wird, ließ das BBK bislang offen.
Weiter Lücken zeigen sich beim Sirenennetz. Der BBK zählt bundesweit rund 48.000 aktive Sirenenstandorte, verteilt allerdings sehr ungleich. Stuttgart hat seine 380 Sirenen bis Mitte der 1990er Jahre komplett abgebaut und schaltet an Warntagen bewusst keine hörbare Warnung. Zur Modernisierung des Netzes stellte der Bund im Sonderförderprogramm 2025 knapp 11,87 Millionen Euro bereit, für 2026 bislang 4,09 Millionen Euro, wie die Behörde borncity.com bestätigte. Bürgerinnen und Bürger können ihre Erfahrungen mit dem Test bis zum 17. September unter warntag-umfrage.de melden; die Ergebnisse werden anschließend wissenschaftlich ausgewertet. Der nächste bundesweite Warntag ist bereits terminiert: 9. September 2027.